1. Advent: Definition, Bedeutung und Geschichte der Adventszeit

Der 1. Advent markiert den Beginn der Adventszeit und zugleich den Start des neuen Kirchenjahres in der christlichen Tradition. Der erste Adventssonntag fällt auf den vierten Sonntag vor dem 25. Dezember und kann somit zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen. Diese zeitliche Variabilität ergibt sich aus der Tatsache, dass der Advent an einen beweglichen Sonntag gebunden ist, während das Weihnachtsfest auf ein festes Datum fällt.

1. Advent: Definition, Bedeutung und Geschichte der Adventszeit
1. Advent: Definition, Bedeutung und Geschichte der Adventszeit
1. Advent: Definition, Bedeutung und Geschichte der Adventszeit

Das Wort Advent stammt vom lateinischen Wort „adventus“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt „Ankunft“ oder „Aufbruch“. Im ursprünglichen römischen Verständnis bezeichnete dieser Begriff die feierliche Ankunft eines hohen Würdenträgers oder Kaisers. In der christlichen Tradition hat der Begriff „Ankunft“ jedoch eine doppelte Bedeutung: Zum einen verweist der Advent auf die erste Ankunft Jesu Christi in Bethlehem und seine Geburt, die wir alljährlich zu Weihnachten feiern. Zum anderen mahnt der Advent die Gläubigen an die Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten, wenn er als Richter und Erlöser wiederkommen wird.

Historische Ursprünge und Entwicklung des 1. Advent

Die Adventszeit in ihrer heutigen vierwöchigen Form geht auf das 7. Jahrhundert zurück und wurde ursprünglich als „tempus adventūs Domini“ bezeichnet, was übersetzt „Zeit der Ankunft des Herrn“ bedeutet. Allerdings sind die Anfänge der Adventszeit noch älter: Volksforscher verorten die ersten Formen einer adventlichen Vorbereitungszeit bereits am Ende des vierten Jahrhunderts in Spanien und Nordfrankreich, wo sie damals noch als dreiwöchige Vorbereitungszeit mit Fastentraditionen und asketischen Übungen begangen wurde.

Eine entscheidende Rolle bei der Standardisierung des Advents spielte Papst Gregor der Große, der die Zahl der Adventssonntage für die westliche Kirche auf vier festlegte. Diese Festlegung war nicht willkürlich: Die vier Sonntage hatten eine tiefe symbolische Bedeutung und standen für die viertausend Jahre, die die Menschheit nach damaliger theologischer Auffassung nach dem Sündenfall auf die Ankunft des Erlösers warten musste.

Das Konzil von Trient (1545–1563) bekräftigte später die vierwöchige Adventszeit und machte sie zur verbindlichen Regelung innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Diese Festlegung gilt bis heute und prägt das liturgische Verständnis des 1. Advent in Westeuropa nachhaltig.

Die spirituelle Bedeutung des 1. Advent

Der 1. Advent besitzt eine spezifische liturgische Bedeutung innerhalb der vier Adventssonntage. Nach der kirchlichen Ordnung steht am ersten Adventssonntag besonders die Wiederkunft Jesu und die endzeitliche Erwartung im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Dies unterscheidet sich von den folgenden Adventssonntagen: Am 2. Advent wird Johannes der Täufer als Vorbote Christi in den Mittelpunkt gestellt, während die darauffolgenden Sonntage weitere Aspekte der Heilsgeschichte und der weihnachtlichen Vorbereitung beleuchten.

Die Adventszeit insgesamt wird in der katholischen Kirche als Zeit mit doppeltem Charakter verstanden. Sie ist einerseits eine Vorbereitungszeit auf die Weihnachtsfeste, in der die Gläubigen sich des ersten Kommens des Gottessohnes zur Menschheit bewusst werden. Andererseits lenkt der Advent durch dieses Gedächtnis die Herzen der Gläubigen hin zur Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende aller Zeiten. Unter beiden Gesichtspunkten wird der 1. Advent als eine Zeit der hingebungsvollen und freudigen Erwartung verstanden.

Der 1. Advent und kirchliches Brauchtum

Eng mit dem 1. Advent ist der Brauch des Adventskranzes verbunden, der sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil der adventslichen Tradition entwickelt hat. Obwohl der Adventskranz als Brauch erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, hat er sich schnell zu einer Symbol-Tradition entwickelt, die weit über konfessionelle Grenzen hinweg verbreitet ist.

Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern gilt als der Erfinder des modernen Adventskranzes. Im Jahr 1838 oder 1839 ließ er im Betsaal des „Rauhen Hauses“ in Hamburg erstmals einen hölzernen Leuchter mit insgesamt 24 Kerzen aufhängen: 19 kleine rote Kerzen für die Werktage bis Weihnachten und vier dicke weiße Kerzen für die vier Adventssonntage. Der Adventskranz sollte den Kindern im Waisenhaus helfen, die lange Wartezeit bis Weihnachten erträglicher zu machen und ihnen visuell zu zeigen, wie die Zeit bis zum Fest verging.

Der moderne Adventskranz hat sich jedoch zu einer anderen Form entwickelt. Der klassische Adventskranz unserer Zeit besteht aus einem Kranz – häufig aus Tannenzweigen gefertigt – mit vier größeren Kerzen. Mit jedem Adventssonntag wird eine neue Kerze entzündet, wodurch das Licht kontinuierlich zunimmt. Diese symbolische Steigerung des Lichts verweist auf Christus als das Licht der Welt. Die Kreisform des Kranzes symbolisiert zudem den Erdkreis, der auf Erlösung und Rettung wartet. Das wachsende Licht drückt die zuversichtliche Erwartung der Gläubigen im Advent aus und verdeutlicht die Nähe der Geburt Jesu.

Kirchliches Jahr und liturgischer Kalender

Der 1. Advent besitzt einen besonderen Status im kirchlichen Kalender: Mit dem ersten Adventssonntag beginnt nicht nur die Adventszeit, sondern auch das neue Kirchenjahr. Der Advent und damit das neue Kirchenjahr beginnt am Vorabend des vierten Sonntags vor Weihnachten, also am Vorabend des 1. Adventssonnntags. Dies bedeutet, dass mit dem 1. Advent ein neuer liturgischer Zyklus startet, der sich bis zum nächsten Advent erstreckt.

Der 1. Advent fällt frühestens auf den 27. November und spätestens auf den 3. Dezember. Die Länge der gesamten Adventszeit variiert entsprechend zwischen 22 und 28 Tagen. Dies steht im Gegensatz zur Fastenzeit, die eine feste Länge von 40 Tagen hat. Der Grund für diese Variabilität liegt darin, dass der Beginn des Advents an einen beweglichen Sonntag gebunden ist, während das Ende an das feste Weihnachtsdatum am 25. (oder 24.) Dezember gebunden ist.

Traditionen und Bräuche rund um den 1. Advent

Mit dem 1. Advent beginnt eine Zeit reich an Bräuchen und Traditionen, die in vielen deutschsprachigen Regionen lebendig sind. Neben dem Adventskranz gehören zu diesen Bräuchen traditionelle WeihnachtsmärkteAdventskalenderWeihnachtsgebäck und verschiedene Licht- und Tannenschmuckdekorationen.

Ein besonderer Brauch ist das sogenannte Frauen- oder Marientragen, das seit dem 17. Jahrhundert bezeugt ist und eine Variante der mittelalterlichen Herbergssuche darstellt. Bei diesem Brauch wird in der Adventszeit eine Marienfigur oder ein Marienbild an den neun letzten Abenden vor der Christnacht (also ab dem 16. Dezember) von Haus zu Haus getragen und auf einem Hausaltar zur gemeinsamen Andacht für Familie und Nachbarschaft aufgestellt. Am Heiligen Abend wandert die Marienfigur dann zurück in die Kirche.

Ein weiterer alter Brauch ist das Anzünden von Barbarazweigen am 4. Dezember. Nach einer alten Tradition schneidet man an diesem Tag Zweige von Obstbäumen ab und stellt sie in die Stube, damit sie bis Weihnachten erblühen. Dieser Brauch geht auf die Legende der Märtyrerin Barbara von Nikomedia zurück, die um 300 n.Chr. zum Christentum konvertierte.

Der 1. Advent in der modernen Zeit

In der heutigen Zeit hat der 1. Advent seine Bedeutung teilweise gewandelt. Während der Advent ursprünglich eine Zeit des Fastens und der Buße war, wird die Adventszeit heute vielfach als Zeit der Besinnlichkeit, der Vorfreude und des Genusses wahrgenommen. Der kommerzielle Aspekt mit Weihnachtsmarktbesuchen, Adventskalendern aus Schokolade und Nüssen sowie intensivem Weihnachtseinkauf prägt zunehmend die moderne Adventskultur.

Dennoch bewahrt der 1. Advent in vielen Kirchen und Gemeinden seine tiefe spirituelle Bedeutung. Die Predigt am 1. Adventssonntag behandelt häufig Themen wie Erwartung, Hoffnung, Umkehr und die endzeitliche Hoffnung auf die Wiederkunft Christi. In evangelischen und katholischen Gemeinden werden Adventsandachten gehalten, die die Gläubigen zur inneren Vorbereitung einladen.

Der 1. Advent als Beginn einer besonderen Zeit

Der 1. Advent markiert den Beginn einer Zeit, die in der christlichen Tradition über Jahrhunderte hinweg als Zeit der Erwartung, der Vorbereitung und der inneren Einkehr verstanden wird. Mit dem ersten Adventssonntag startet nicht nur die Adventszeit, sondern auch das neue Kirchenjahr. Der 1. Advent erinnert Christinnen und Christen an die erste Ankunft Gottes in Menschengestalt durch Jesus Christus und lädt sie zugleich ein, die Wiederkunft Christi zu erwarten.

Die Bräuche und Traditionen rund um den 1. Advent – vom Adventskranz über Weihnachtsmärkte bis hin zu alten Volksbräuchen – zeigen, wie tief dieser Tag in der Kultur und Spiritualität verankert ist. Ob als spirituelle Vorbereitung oder als Beginn der weihnachtlichen Festzeit: Der 1. Advent verbindet Millionen von Menschen in der Erwartung auf ein Fest, das seit zweitausend Jahren im Zentrum des christlichen Glaubens und der westlichen Kultur steht.