2. Advent – Definition und Bedeutung der Adventszeit
Was ist der 2. Advent? Die vollständige Definition
Der 2. Advent ist der zweite Sonntag der christlichen Adventszeit und wird im Kirchenjahr alljährlich im Dezember begangen. Im Jahr 2025 fällt der 2. Advent auf den 7. Dezember. Das Wort Advent stammt vom lateinischen Begriff „adventus“ und bedeutet „Ankunft“. Der 2. Advent ist ein wichtiger Bestandteil der vierwöchigen Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest und symbolisiert die Erwartung und Besinnung auf die Ankunft Jesu Christi.
Die Geschichte und Ursprünge des 2. Advents
Die Adventszeit, zu der auch der 2. Advent gehört, hat ihre Wurzeln in der frühen Kirchengeschichte. Bereits seit dem Ende des 4. Jahrhunderts lassen sich in Spanien und Gallien erste Belege für eine dreiwöchige Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest nachweisen. In dieser Zeit waren Fasten und der regelmäßige Gottesdienstbesuch zentrale Elemente der spirituellen Vorbereitung.
Der Bischof Perpetuus von Tours legte um 480 fest, dass die Adventszeit am Martinstag, dem 11. November, beginnen sollte. Sein Nachfolger Gregor von Tours (538-594) reduzierte die Adventszeit später auf vier Wochen, eine Regelung die sich schrittweise durchsetzte. Der heilige Papst Gregor der Große (590-604) setzte später vier Adventssonntage als verbindlich fest – diese Regel wurde nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die gesamte Kirche offiziell verankert und gilt bis heute in der katholischen und evangelischen Kirche.
Die Bedeutung des 2. Advents in der Kirchentradition
Der 2. Advent hat innerhalb der Adventszeit eine ganz besondere spirituelle Bedeutung. Nach der traditionellen kirchlichen Ordnung wird dieser Adventssonntag auch „Sonntag der Wiederkunft Christi“ genannt. Der lateinische Introitus an diesem Tag lautet: „Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes“ – zu deutsch: „Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, um die Völker zu retten“.
Am 2. Advent rückt das theologische Konzept der Erlösung in den Mittelpunkt. Christen gedenken besonders der prophezeiten Erlösung von allen irdischen Leiden durch Jesu Opfertod am Kreuz. Der kommende Erlöser steht im Fokus dieser liturgischen Feier. Dies unterscheidet sich von anderen Adventssonntagen, die andere theologische Schwerpunkte haben: Der erste Advent behandelt den Einzug Jesu in Jerusalem, der dritte Advent erinnert an Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu, und der vierte Advent ehrt Maria, die Mutter Jesu.
Das Evangelium des 2. Advents
Ein zentrales Element des 2. Advents ist das Evangelium, das in der heiligen Messe verlesen wird. Der Gottesdienst an diesem Tag orientiert sich nach dem Lukasevangelium (Lk 21,29-31), in dem Jesus zu einer achtsamen Naturbetrachtung auffordert. In diesem Abschnitt erzählt Jesus von den Feigenbäumen und allen Bäumen, die ausschlagen und zeigen, dass der Sommer nahe ist – als Gleichnis dafür, dass das Reich Gottes nahe herankommt.
Das Evangelium an diesem Tag ist auch stark mit dem Thema Vorläufigkeit und Zeichen der Zeit verbunden. Jesus lehrt seine Anhänger, die Zeichen richtig zu deuten und wach zu bleiben. Dies fordert die Gläubigen dazu auf, in der Adventszeit nicht oberflächlich zu sein, sondern die tiefere spirituelle Bedeutung dieser Zeit zu erfassen.
Der doppelte Charakter des Advents und des 2. Advents
Nach der Grundordnung des Kirchenjahres in der römisch-katholischen Kirche hat die Adventszeit einen doppelten Charakter:
Einerseits ist sie eine Vorbereitungszeit auf die Weihnachtsfeste mit ihrem Gedächtnis des ersten Kommens des Gottessohnes zu den Menschen – also ein Rückblick auf die historische Geburt Jesu vor mehr als 2000 Jahren.
Anderseits lenkt die Adventszeit durch dieses Gedenken zugleich die Herzen hin zur Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten. Dies ist ein zukunftsorientierter Aspekt, der die Gläubigen ermutert, in Erwartung und Hoffnung zu leben.
Unter beiden Gesichtspunkten ist die Adventszeit eine Zeit hingebender und freudiger Erwartung, die auch der 2. Advent mit besonderem Nachdruck vermittelt.
Bräuche und Traditionen rund um den 2. Advent
Mit dem 2. Advent sind verschiedene liebgewonnene Traditionen und Bräuche verbunden, die die Adventszeit bereichern:
Der Adventskranz und die zweite Kerze
Eine der bekanntesten Adventstraditionen ist der Adventskranz mit seinen vier Kerzen. Am 2. Advent wird die zweite Kerze auf dem Adventskranz entzündet. Der Adventskranz ist eine relativ junge Tradition und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Hamburger evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern ließ 1839 in dem von ihm gegründeten „Rauhen Haus“, einem Heim für verwahrloste Jugendliche, erstmals einen großen hölzernen Kranz aufhängen. Dieser trug für jeden Tag bis Weihnachten eine Kerze – 19 kleine rote Kerzen für die Werktage bis Weihnachten und vier dicke weiße Kerzen für die Adventssonntage.
Die vier Kerzen des Adventskranzes symbolisieren das Licht, das mit Christus in die Welt gekommen ist. Mit dem Entzünden der zweiten Kerze am 2. Advent nimmt das Licht in dieser Vorbereitungszeit kontinuierlich zu und verdeutlicht die wachsende Nähe von Weihnachten.
Barbarazweige – Ein traditionsreicher Brauch
Mit dem 2. Advent ist ein besonderer Brauch verbunden, der sich bis in mittelalterliche Zeiten zurückverfolgen lässt: das Schneiden von Barbarazweigen. Der Brauch, Blütenzweige in die Stube zu holen, wurde mit dem Tag der heiligen Barbara verknüpft, die am 4. Dezember verehrt wird – ideal gelegen zwischen dem 1. Advent und dem 2. Advent.
Die heilige Barbara wurde in den frühen Jahrhunderten der Kirche als Schutzheilige verehrt, der Legende nach half sie verfolgten Christen in ihren dunklen Verstecken, indem sie sie mit Nahrung versorgte. Der 4. Dezember ist historisch betrachtet der richtige Zeitpunkt, um Zweige zu schneiden, die dann zu Weihnachten aufblühen – sie bringen so einen Vorgeschmack von Frühling und Neuanfang in die dunkle Jahreszeit.
Geeignet sind Zweige von verschiedenen Bäumen und Sträuchern, darunter Kirschbaum, Weichsel (Sauerkirsche), Schlehe, Zaubernuss oder Forsythie. In heutigen warmen Wohnzimmern treiben die Knospen oft schneller aus, weshalb man die Zweige auch später ins Haus holen kann. Dieser Brauch symbolisiert das Vertrauen in das Wiedererwachen der Natur und verbindet sich mit dem spirituellen Sinn der Adventszeit: die Hoffnung auf Erneuerung und das Licht, das wiederkommt.
Der Nikolaustag im Kontext des 2. Advents
Ebenfalls zeitlich nahe beim 2. Advent liegt der Nikolaustag am 6. Dezember. Der heilige Nikolaus war ein früher christlicher Bischof und ist bis heute als Schutzpatron der Kinder, Seefahrer und Armen bekannt. Nach einem alten Brauch, der sich bis heute erhalten hat, beschenkt der Nikolaus in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember Kinder mit kleinen Gaben – ein Brauch, der sich in vielen Haushalten der Adventszeit verbunden hat.
Adventliche Rituale für Familie und Gemeinde
Der 2. Advent ist auch ein Anlass für regelmäßige Rituale, die Halt und Struktur in der adventlichen Zeit geben. Dazu gehören:
Das gemeinsame Anzünden der zweiten Adventskerze
Der Besuch von feierlichen Gottesdiensten, in denen die adventliche Spiritualität zelebriert wird
Das Singen von Adventsliedern und weihnachtlichen Hymnen
Das gemeinsame Lesen von Geschichten oder meditativen Texten
Besinnliche Mahlzeiten im Familienkreis
Diese Rituale sind besonders wertvoll, weil sie Kindern Orientierung geben und die Zeit des Wartens greifbar und erlebbar machen. Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl und vermitteln die tiefere spirituelle Bedeutung der Adventszeit über die kommerzielle Weihnachtshektik hinaus.
Der doppelte Sinn von Advent und 2. Advent: Rückblick und Hoffnung
Die Geschichte des Advent zeigt, dass diese Zeit nicht einfach eine historische Erinnerung ist. Der 2. Advent und die gesamte Adventszeit sind Ausdruck eines doppelten Glaubensprinzips:
Der Rückblick: Christen erinnern sich an die erste Ankunft Gottes in der Welt in menschlicher Gestalt, an die Geburt Jesu Christi vor über 2000 Jahren. In Jesus Christus wurde Gott Mensch und schuf so eine Brücke zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen. Das ist das Fundament der christlichen Heilsbotschaft.
Die Hoffnung auf die Zukunft: Gleichzeitig erinnert der Advent daran, dass Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten. Dies ist nicht nur ein dogmatisches Prinzip, sondern soll das gegenwärtige Leben prägen: Mit Hoffnung, Aufmerksamkeit und innerer Bereitschaft sollte der Gläubige in die Welt hineinwirken.
Der 2. Advent verkörpert diesen doppelten Sinn besonders deutlich, indem er die erlösende Kraft Jesu Christi ins Zentrum stellt und die Gläubigen dazu auffordert, diese Hoffnung in ihrem eigenen Leben aktiv zu werden zu lassen.
Die Bedeutung des 2. Advents in der modernen Welt
In der heutigen Zeit, in der die Adventszeit oft kommerzialisiert wird und der Weihnachtsrummel schon lange vor dem 1. Advent beginnt, gewinnt der 2. Advent wieder an Bedeutung. Viele Menschen suchen bewusst nach Spiritualität, meditativer Ruhe und authentischer Besinnung in dieser dunklen Jahreszeit.
Der 2. Advent lädt dazu ein, innezuhalten und die eigentliche Bedeutung dieser Zeit wiederzuentdecken: Ein bewusstes Warten in Hoffnung und Freude, ein Moment der Stille inmitten der Hektik, und die Gelegenheit, sich auf das Wesentliche – die Botschaft der Liebe und Erlösung durch Jesus Christus – zu konzentrieren.
Insofern ist der 2. Advent nicht nur ein kirchlicher Feiertag, sondern ein spiritueller Wendepunkt in der Adventszeit, der zur inneren Einkehr und zu tieferer Menschlichkeit auffordert. Ob als gläubiger Christ, als kulturelles Brauchtum oder als Sehnsucht nach Stille und Besinnlichkeit – der 2. Advent berührt Menschen aller Hintergründe mit seiner universellen Botschaft der Hoffnung und des Lichts in der dunklen Zeit.



