4. Advent – Definition, Bedeutung und Traditionen der Adventszeit

Der 4. Advent (auch vierter Adventssonntag oder Adventssonntag Rorate genannt) ist der letzte und vierte Sonntag der Adventszeit und fällt stets auf den Sonntag unmittelbar vor dem Weihnachtsfest am 25. Dezember. Dieser bedeutsame Termin markiert den Höhepunkt und den Abschluss der vierwöchigen Adventsperiode und bringt sowohl religiöse als auch familiäre Traditionen mit sich, die das Warten auf Weihnachten intensivieren und den Glauben der Christenheit prägen.

4. Advent – Definition, Bedeutung und Traditionen der Adventszeit
4. Advent – Definition, Bedeutung und Traditionen der Adventszeit
4. Advent – Definition, Bedeutung und Traditionen der Adventszeit

Die Definition des 4. Advents

Der Begriff „Advent“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“ (adventus). Der 4. Advent bezeichnet somit den vierten und abschließenden Sonntag in der christlichen Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest. Dieser Tag fällt kalendarisch immer zwischen dem 18. und 24. Dezember, da er dem letzten Sonntag vor Heiligabend entspricht. Die Adventszeit selbst beginnt am vierten Sonntag vor dem 25. Dezember und dauert in der Regel vier bis fünf Wochen, je nachdem, auf welchen Wochentag Weihnachten fällt.

Der 4. Advent steht im christlichen Kirchenjahr nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich an einer besonderen Stelle: Er verkörpert die unmittelbare Nähe zur Geburt Jesu Christi und wird daher oft als Zeit der Vollendung und intensiven Vorfreude verstanden. An diesem Tag erreicht die Vorweihnachtliche Spannung ihren Gipfelpunkt, und die Gläubigen zünden traditionell die vierte und letzte Kerze am Adventskranz an, was die Erfüllung der Hoffnung und das vollständige Licht symbolisiert.

Geschichtlicher Ursprung des 4. Advents

Die Tradition der vier Adventssonntage reicht bis in die frühe Kirchengeschichte zurück. Während die Adventszeit selbst mindestens auf das Jahr 567 nachgewiesen ist – damals wurden Mönche angewiesen, im Dezember vor Weihnachten zu fasten – wurde die Festlegung auf genau vier Sonntage erst später standardisiert. Papst Gregor der Große legte für die römische Kirche bereits um das Jahr 600 die Adventszeit mit vier Sonntagen fest. Diese vier Sonntage hatten dabei eine symbolische Bedeutung: Sie standen für die 4.000 Jahre, die die Menschen nach dem Sündenfall auf die Ankunft des Erlösers warten mussten.

Besondere historische Bedeutung erlangte die endgültige Regelung der Adventszeit durch Kaiser Konrad II. Am 3. Dezember 1038 legte eine Synode im pfälzischen Kloster Limburg bei Bad Dürkheim auf kaiserliches Geheiß hin fest, dass der erste Adventssonntag stets in der Zeit zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember begangen werden muss. Diese Regelung folgte einem kuriosen Streit zwischen dem Kaiser und dem Straßburger Bischof Wilhelm, der bereits am 26. November 1038 mit der Adventszeit beginnen wollte – was hätte fünf statt vier Adventssonntage zur Folge gehabt. Diese mittelalterliche Regelung gilt bis heute für beide großen christlichen Konfessionen und hat sich damit über nahezu 1.000 Jahre bewährt.

Die Bedeutung des 4. Advents im Kirchenjahr

Der 4. Adventssonntag trägt im liturgischen Kalender der Kirche den lateinischen Namen „Rorate“, abgeleitet vom Anfangsvers des traditionellen Introitus (Eingangsgesang): „Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem“ – zu Deutsch: „Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor“ (Jesaja 45,8).

Während die ersten drei Adventssonntage jeweils eigene thematische Schwerpunkte haben, steht der 4. Advent ganz im Zeichen der Freude und Besinnung. Die evangelischen und katholischen Gottesdienste an diesem Tag rücken Maria, die Mutter Jesu, in den Mittelpunkt des liturgischen Geschehens. Das zentrale Evangelium am 4. Advent ist in vielen Lesejahren die Verkündigung des Engels an Maria (Lukas 1,26-38) oder Marias Besuch bei ihrer Verwandten Elisabeth sowie der Lobgesang der Maria, das Magnificat (Lukas 1,46-55).

Der theologische Gehalt des 4. Advents liegt in der Vereinigung zweier Ebenen der Heilserwartung: Zum einen wird die historische Ankunft Jesu Christi vor etwa 2.000 Jahren gefeiert, zum anderen wird die zukünftige Wiederkunft Christi als Richter und König am Ende der Zeiten in Aussicht gestellt. Im Protestantismus wird dieser Tag oft mit dem Wochenspruch aus dem Philipperbrief verbunden: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch. Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4-5).

Die liturgische Farbe des 4. Advents ist traditionell violett, ein Zeichen der Buße und Vorbereitung, wobei in neuerer Zeit manche Gemeinden auch mit rosa Farbtönen arbeiten, um die zunehmende Freude auszudrücken.

Traditionen und Bräuche am 4. Advent

Der 4. Advent ist mit verschiedenen traditionsreichen Bräuchen und Gewohnheiten verbunden, die Familien weltweit pflegen. Der wahrscheinlich verbreitetste Brauch ist das Anzünden der vierten Kerze am Adventskranz. Mit dem vollständigen Entzünden aller vier Kerzen wird symbolisiert, dass das Licht vollkommen wird und Weihnachten unmittelbar bevorsteht. Dieser Brauch hat in vielen deutschen und europäischen Haushalten zentrale Bedeutung für die Gestaltung der letzten vorweihnachtlichen Tage.

Ein weiterer klassischer Brauch ist die Gestaltung der Weihnachtskrippe. In vielen Familien wird die Krippe, in der die Geburt Jesu dargestellt wird, schrittweise mit Strohhalmen gefüllt. Dieser Brauch wird auch „Krippe füllen“ genannt, und besonders die Kinder sind mit Eifer dabei, für jede gute Tat oder jeden Akt der Nächstenliebe einen Strohhalm zur Krippe zu legen. Bis zum Heiligabend soll die Krippe ganz mit Stroh gefüllt sein, so dass Jesus auf einem gemütlichen Lager liegt.

In manchen Regionen, besonders in Deutschland, ist der Brauch der Barbarazweige noch lebendig. Diese werden am 4. Dezember (Barbaratag) geschnitten und in warmes Wasser in der Nähe eines Ofens oder einer Heizung gestellt. Bis zum Weihnachtsfest sollen die Zweige erblühen und so die Hoffnung auf Erneuerung und Wachstum symbolisieren. Unter idealen Bedingungen öffnen sich die Blüten often bis zum Heiligabend, was als wunderbar und ermutigend empfunden wird.

Eine lange Tradition ist auch die Feier der Roratemessen, besonders in der katholischen Kirche. Diese sind traditionelle Frühmessen, die in den Morgenstunden bei Kerzenschein in dunklen Kirchen gelesen werden. Der Name leitet sich vom lateinischen Introitus ab und diese Messen haben einen besonderen meditativen Charakter, der Gläubige und Gemeinden in intensive Besinnung und stille Andacht führt.

Viele christliche Gemeinden halten auch spezielle Gottesdienste oder Andachten am 4. Advent ab, in denen die Gemeinde zusammenkommt, um die bevorstehende Geburt Jesu Christi zu feiern und sich gemeinsam auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Weihnachtslieder, Lesungen aus der Bibel und persönliche Gebete prägen diese Feiern.

Der 4. Advent in der Familie

Für viele Familien ist der 4. Advent ein Wendepunkt in der Adventszeit. Die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest sind in der Regel bereits abgeschlossen, und die Häuser sind festlich geschmückt. Am 4. Adventssonntag kommen Familien oft zusammen, um gemeinsam Kaffee und Kuchen oder Punsch zu genießen, während sie die vierte Kerze anzünden. Manche Familien verbinden dies mit dem Öffnen einer Überraschung aus dem Adventskalender oder mit traditionellen vorweihnachtlichen Speisen.

Der 4. Advent bietet auch Anlass zur inneren Einkehr. Die Adventszeit wird in der christlichen Tradition als Zeit der Stille, Besinnlichkeit und Vorbereitung verstanden – ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern. In einer immer hektischer werdenden Welt dient der 4. Advent vielen Menschen als bewusster Ruhepunkt, um sich von der Hektik des Alltags zu distanzieren und sich mit Familie, Freunden und dem Glauben neu zu verbinden.

Unterschiede zwischen evangelischem und katholischem 4. Advent

Obwohl beide großen christlichen Konfessionen den 4. Advent an demselben Termin feiern, gibt es zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden verschiedene Unterschiede in der Gestaltung und Interpretation des Tages. In der katholischen Kirche steht besonders die Verehrung Mariens im Mittelpunkt. Die Roratemessen, spezielle Votivmessen zu Ehren Mariens, prägen die liturgische Gestaltung dieses Tages. Die katholische Liturgie betont stärker die Rolle Marias als die „Magd des Herrn“, die sich dem Willen Gottes unterwirft.

In der evangelischen Kirche liegt der Schwerpunkt etwas stärker auf der Freude und Hoffnung auf die Ankunft Jesu Christi sowie auf Gemeinderitualen. Die evangelische Tradition nutzt den 4. Advent oft stärker für die Gestaltung von Gemeindeandachten und Familiengottesdiensten, bei denen Kinder und Gemeinde aktiv mitgestalten.

Trotz dieser Unterschiede vereint beide Konfessionen die gemeinsame Erwartung auf Weihnachten und die Botschaft der Hoffnung und Erlösung, die mit der Ankunft Jesu Christi verbunden ist.

Der 4. Advent und die Weihnachtsvorbereitung

Der 4. Advent markiert zeitlich den Übergang von der Vorweihnachtszeit zur eigentlichen Weihnachtszeit. Nach diesem Sonntag folgen oft nur noch wenige Tage bis zum Heiligabend am 24. Dezember und zum Weihnachtsfest selbst am 25. Dezember. Diese beiden Tage sind nicht selbst Teil der Adventszeit – der Advent endet mit dem 4. Sonntag. Daher haben diese letzten Tage vor Weihnachten oft einen ganz eigenen Charakter der unmittelbaren Erwartung und finalen Vorbereitung.

In vielen Haushalten werden am 4. Advent die letzten Geschenke verpackt, der Weihnachtsbaum endgültig geschmückt (falls nicht bereits geschehen), und die Häuser werden noch festlicher ausgestattet. Der Tisch wird gedeckt, traditionelle Weihnachtsgebäcke werden in den letzten Zubereitungen fertiggestellt, und die Familie trifft letzte Vorkehrungen für das bevorstehende Fest.

Resümee

Der 4. Advent ist weit mehr als nur ein weiterer Sonntag in der kalendarischen Vorweihnachtszeit. Er bildet den feierlichen Schluss einer vierwöchigen Periode der geistlichen Vorbereitung auf das bedeutendste Fest der Christenheit. Mit der Entzündung der vierten Kerze am Adventskranz, mit Roratemessen in den frühen Morgenstunden, mit Familientraditionen wie dem Füllen der Krippe und mit vielen anderen Bräuchen wird der 4. Advent zur Zeit der erfüllten Hoffnung und der intensiven Vorfreude. Er vereinigt in sich die Erwartung der historischen Geburt Jesu vor zwei Jahrtausenden mit der eschatologischen Hoffnung auf dessen zukünftige Wiederkunft und schafft damit einen spirituellen Raum, in dem Gläubige und Gemeinden ihre Sehnsucht nach Erneuerung, Frieden und Erlösung ausdrücken können.