Adventskranz: Definition, Bedeutung und Geschichte einer weihnachtlichen Tradition

Der Adventskranz ist ein traditioneller weihnachtlicher Schmuck, der aus einem runden Gesteck aus Tannenzweigen besteht und vier Kerzen – die sogenannten Adventskerzen – trägt. Diese Kerzen werden während der Adventszeit, beginnend mit dem ersten Adventssonntag, nacheinander entzündet. Jede Kerze steht symbolisch für einen der vier Adventssonntage und soll die Zeit bis zum Heiligen Abend am 24. Dezember zählen und verkürzen.

Adventskranz: Definition, Bedeutung und Geschichte einer weihnachtlichen Tradition
Adventskranz: Definition, Bedeutung und Geschichte einer weihnachtlichen Tradition
Adventskranz: Definition, Bedeutung und Geschichte einer weihnachtlichen Tradition

Der Adventskranz ist weit mehr als nur ein dekoratives Element – er ist ein kulturelles und religiöses Symbol, das in vielen deutschen Haushalten und Kirchen einen festen Platz in der Vorweihnachtszeit eingenommen hat. Die Tradition des Adventskranzes ist tief in der europäischen Weihnachtskultur verwurzelt und hat sich vom deutschsprachigen Raum aus weltweit verbreitet.

Die Geschichte des Adventskranzes: Ursprung und Entwicklung

Die Geschichte des modernen Adventskranzes beginnt im Jahr 1839 in Hamburg. Der evangelisch-lutherische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern erfand den Adventskranz, um armen Straßenkindern in seiner Einrichtung – dem „Rauhen Haus“ – die lange Wartzeit bis Weihnachten zu verkürzen. Die Kinder stellten immer wieder die Frage, wann denn der große Tag endlich komme, und Wichern suchte nach einer kreativen Lösung, um ihnen die verbleibenden Tage anschaulich zu machen.

Der erste Adventskranz war noch deutlich aufwendiger als der heutige: Wichern befestigte auf einem alten Wagenrad insgesamt 23 bis 28 Kerzen – vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und 19 bis 24 kleinere rote Kerzen für die Wochentage. Jeden Tag wurde eine neue Kerze entzündet, sodass die Kinder durch die wachsende Anzahl brennender Kerzen sehen konnten, wie sich die Zeit bis Weihnachten dem Ende näherte. Dies war auch eine praktische Methode, den Kindern das Zählen beizubringen.

Mit der Zeit entwickelte sich aus dem aufwendigen Wichernschen Adventskranz die handlichere Variante mit nur noch vier Kerzen. Diese Vereinfachung entstand aus praktischen Gründen und setzte sich allmählich durch. Ab dem Jahr 1860 wurde der Adventskranz traditionell aus Tannengrün gefertigt, was dem Gesteck das klassische Aussehen gab, das wir heute kennen.

Anfangs war der Adventskranz eine spezifisch evangelisch-lutherische Tradition und fand sich hauptsächlich in Norddeutschland und protestantischen Gegenden. Es dauerte fast ein Jahrhundert, bis diese schöne Tradition auch in katholischen Regionen Fuß fasste. Im Jahr 1925 wurde erstmals ein Adventskranz in einer katholischen Kirche aufgehängt – in Köln. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich der Brauch dann überall im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

Die Symbolik des Adventskranzes

Die kreisrunde Form des Adventskranzes ist nicht zufällig gewählt. Der Kreis hat in der christlichen Symbolik eine tiefe Bedeutung: Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende und symbolisiert daher die Ewigkeit und die Unendlichkeit des Lebens. Diese Ewigkeit ist nach christlichem Glauben durch die Auferstehung Jesu Christi gegeben. Der runde Kranz steht zugleich für die vier Himmelsrichtungen und den Erdkreis.

Das grüne Tannengrün, das den Adventskranz umgibt, ist ebenfalls tief symbolisch aufgeladen. Die Tanne ist ein immergrüner Baum – sie verliert ihre Nadeln auch im tiefsten Winter nicht. Dies machte die Tanne schon in vorindustrieller Zeit zum Symbol der Hoffnung und des Lebens. Sie verweist auf die Hoffnung, dass die Natur im Frühling wieder zu neuem Leben erwachen wird.

Die vier Kerzen des Adventskranzes korrespondieren mit den vier Adventssonntagen. Diese vier Sonntage bilden die vier Wochen zwischen dem ersten Advent und dem Heiligen Abend. Die ursprüngliche und zentrale Symbolik des Adventskranzes ist die Zunahme des Lichtes als Ausdruck der steigenden Erwartung auf die Geburt Jesu Christi. Im christlichen Glauben wird Jesus als das „Licht der Welt“ bezeichnet.

Die Farben der Kerzen

In der katholischen Kirche und vielen katholischen Gegenden hat sich eine bestimmte Farbkombination durchgesetzt: drei violette Kerzen und eine rosa Kerze. Die violetten Kerzen werden am ersten, zweiten und vierten Adventssonntag entzündet und stehen für Besinnung und Buße. Die rosa Kerze wird am dritten Adventssonntag entzündet und symbolisiert Freude und Vorfreude.

In manchen Gegenden, besonders im Erzgebirge, werden traditionell vier rote Kerzen verwendet. Die rote Farbe symbolisiert hier die Liebe Gottes zu den Menschen und das Licht, mit dem Jesus Christus zu den Menschen kam.

Bräuche und Rituale rund um den Adventskranz

Am ersten Adventssonntag wird die erste Kerze angezündet. An den folgenden drei Adventssonntagen werden jeweils eine weitere Kerze dazugezündet, sodass am vierten Advent schließlich alle vier Kerzen brennen. In vielen Familien hat sich ein schönes Ritual entwickelt: Am Adventssonntag treffen sich die Familie oder die Gemeinschaft zusammen, entzünden gemeinsam die neue Kerze und begleiten dies mit Weihnachtsliedern, Gebeten oder Lesungen.

Der Adventskranz hat seinen Platz sowohl in Kirchen als auch im privaten Wohnzimmer. In der katholischen Kirche ist es üblich geworden, dass der Adventskranz während der Adventszeit in der Nähe des Altars aufgestellt wird. Das Benediktionale der katholischen Kirche enthält sogar einen speziellen Ritus für die Segnung des Adventskranzes.

Viele Menschen erfreuen sich auch daran, ihren Adventskranz selbst zu binden – eine handwerkliche Tradition, die sich großer Beliebtheit erfreut. Dazu braucht man einen stabilen, runden Rohling, frische oder getrocknete Tannenzweige, Adventskerzen und optional Weihnachtsdekorationen wie Glaskugeln, Schleifen oder Glöckchen. Das Selberbinden ist nicht nur handwerklich befriedigend, sondern verbindet auch wieder Menschen miteinander und schafft im Akt des Gestaltens bereits eine adventsliche Vorfreude.

Sicherheit beim Umgang mit dem Adventskranz

Ein wichtiger praktischer Hinweis: Der nachlässige Umgang mit Adventskränzen führt immer wieder zu Wohnungs- und Zimmerbranden. Die häufigste Brandursache ist das fehlende Beaufsichtigen der brennenden Kerzen. Daher sollten angezündete Kerzen immer beaufsichtigt werden, und man sollte sie nicht in der Nähe von leicht entzündbaren Materialien aufstellen. Der Adventskranz sollte auf einer feuersicheren, ebenen Fläche platziert werden.

Gegenwart und weltweite Verbreitung

Was als lokale Hamburgische Tradition begann, hat sich mittlerweile über den deutschsprachigen Kulturraum hinaus in Europa und der ganzen Welt verbreitet. Der Adventskranz ist heute ein fester Bestandteil der Weihnachtskultur geworden – nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Zusammenfassend

Der Adventskranz ist mehr als nur ein weihnachtliches Dekorationselement. Er ist ein Symbol für Hoffnung, für das Licht im Dunkeln, für Vorfreude und Besinnlichkeit. Mit den vier brennenden Kerzen, den immergrünen Tannenzweigen und dem Kreis ohne Anfang und Ende verkörpert der Adventskranz zentrale christliche und menschliche Werte: die Hoffnung auf bessere Tage, die Erwartung von Licht und Liebe, und die Gewissheit, dass nach der Dunkelheit immer wieder Helligkeit kommt. In einer oft hektischen und dunklen Zeit ist diese symbolische Kraft des Adventskranzes zeitloser denn je.