Tag des Baumkuchens – Der König der Kuchen feiert seinen Ehrentag am 12. Dezember

Der Tag des Baumkuchens ist ein bundesweiter Ehrentag, der jedes Jahr am 12. Dezember zelebriert wird und einem der beliebtesten und traditionsreichsten Gebäcke Deutschlands gewidmet ist. Seit dem Jahr 2021 erinnert dieser Festtag auf besondere Weise an die Kunstfertigkeit, Geschichte und Bedeutung des berühmten Baumkuchens, der nicht ohne Grund als der „König der Kuchen“ bekannt ist.

Die Gründung des Tag des Baumkuchens

Der Tag des Baumkuchens wurde 2021 von Sven Giese, dem Betreiber des Kalenders „Kuriose Feiertage aus aller Welt“, ins Leben gerufen. Obwohl es zahlreiche internationale Feiertage und Ehrentage gibt, war es eine überraschende Lücke, dass ein derart traditionsreiches deutsches Gebäck keinen eigenen Festtag hatte. Mit der Erklärung des 12. Dezember zum bundesweiten Tag des Baumkuchens wurde diese Lücke gefüllt. Die Wahl des Datums fällt in die Vorweihnachtszeit, wenn der Baumkuchen besonders auf deutschen Weihnachtsmärkten eine Hauptrolle spielt und tausende Besucher anzieht.

Was ist der Baumkuchen eigentlich?

Tag des Baumkuchens – Der König der Kuchen feiert seinen Ehrentag am 12. Dezember

Der Baumkuchen ist ein ringförmiges Gebäck, das zu der Familie der europäischen Spießkuchen gehört. Das Wort „Baumkuchen“ leitet sich von seinem charakteristischen Erscheinungsbild ab: Die sichtbaren, schichtweisen Ringe im Inneren des Kuchens ähneln den Jahresringen eines Baumstammes. Diese optische Besonderheit ist nicht nur dekorativ, sondern auch das unmittelbare Ergebnis der einzigartigen Herstellungsmethode dieses Gebäcks.

Die klassische Form des Baumkuchens ist rund und ringförmig mit einem charakteristischen Loch in der Mitte. Diese Form entsteht durch die spezielle Backweise auf einer rotierenden Walze. Besonders zur Weihnachtszeit wird der Baumkuchen mit einer Schokoladenglasur oder einer hellen Zuckerglasur überzogen, wodurch er noch appetitlicher wirkt. Es gibt aber auch Varianten mit anderen Überzügen wie Nussglasur oder Kokosraspeln.

Die aufwendige Herstellung: Handwerk auf höchstem Niveau

Das Baumkuchen-Backen gilt bis heute als eine Königsdisziplin des Konditorenhandwerks. Die Herstellung ist außergewöhnlich aufwendig und erfordert großes Geschick, Erfahrung und Geduld. Der Teig wird nicht wie bei normalen Kuchen in eine Form gegossen, sondern wird in vielen dünnen Schichten auf einer rotierenden Walze aufgetragen und gebacken.

Das traditionelle Verfahren funktioniert nach folgendem Prinzip: Eine hölzerne oder metallische Walze wird mit Papier umwickelt und waagerecht über dem Feuer oder einer Wärmequelle aufgehängt. Der Bäcker gießt zunächst eine erste dünne Schicht Teig auf die Walze, die sich kontinuierlich dreht. Während die Walze rotiert, backt diese erste Schicht in der Hitze, karamellisiert leicht und bildet eine knusprige Außenschicht. Anschließend wird eine nächste Teigschicht aufgetragen. Dieser Prozess wird etwa 11 bis 15 Mal wiederholt, je nach gewünschter Größe und Dicke des Kuchens.

Die Kunst besteht darin, die richtige Balance zwischen Teiggröße und Backgeschwindigkeit zu halten. Historisch wurde der Baumkuchen über offenem Feuer – meist Buchenholzfeuer – gebacken. Bei diesem traditionellen Verfahren gibt es kein Thermometer und keine exakten Messangaben. Der Bäcker arbeitet vielmehr nach Gefühl und Erfahrung. Heute wird der Baumkuchen auch mit elektrischen Backapparaten hergestellt, was die Kontrolle über Temperatur und Zeit verbessert, aber die handwerkliche Kunstfertigkeit bleibt unverzichtbar.

Die Inhaltsstoffe sind dabei bewusst einfach gehalten: hochwertige Butter, frische Eier, Mehl, Zucker und diverse Gewürze wie Vanille, Rum oder Zitrone – ohne künstliche Konservierungsstoffe. Diese schlichte Zutatenliste macht den feinen Geschmack des Baumkuchens aus.

Die lange Geschichte des Baumkuchens

Die Geschichte des Baumkuchens reicht weiter zurück, als viele vermuten. Die Wurzeln des Spießgebäcks lassen sich bis ins antike Griechenland zurückverfolgen, wo ähnliche Backwaren während Festzügen getragen wurden. Die Römer übernahmen diese Backtechnik von den Griechen, und später verbreitete sie sich über die Germanen.

Das erste bekannte Rezept für einen Baumkuchen erschien in einem italienischen Kochbuch aus dem Jahr 1426. Das älteste deutschsprachige Rezept stammt aus dem Jahr 1450 und findet sich in Nürnberger Dokumenten. Damals war der Baumkuchen bereits ein beliebtes Hochzeitsgebäck bei den wohlhabenden Patriziern in Nürnberg und Frankfurt am Main.

Später beschrieb der Hofmedicus des Großen Kurfürsten, Johann Sigismund Elsholz, 1682 in seiner Schrift „Gewürztes Brot und von allerhand Gebackenes“ ein Berliner Spezialgebäck als „Placentae cylindricae“ oder „Baumkuchen“ – eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen in Deutschland. Im Kochbuch der Kielerin Maria Sophia Schellhammer aus dem Jahr 1692 finden sich bereits vier verschiedene Baumkuchenrezepte.

Die klassische Rezeptur, die wir heute kennen, entstand im 18. Jahrhundert. Von da an war der Baumkuchen nicht mehr aus der deutschen Esskultur wegzudenken. Bekannt ist auch, dass Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. große Fans des Gebäcks waren. Der Kaiser wurde bei einem Besuch in Salzwedel mit einem riesigen, kunstvoll mit Marzipanrosen verzierten Baumkuchen geehrt.

Im 19. Jahrhundert wurde der Baumkuchen endgültig zum Inbegriff großer Handwerkskunst und ist heute das Berufs- und Zunftwappen der Konditoren. Er symbolisiert Qualität, Frische und handwerkliche Exzellenz in der Bäckerei.

Der Baumkuchen als Symbol der deutschen Weihnachtstradition

Heute ist der Baumkuchen ein fester Bestandteil der deutschen Weihnachtsmärkte und der vorweihnachtlichen Tradition. Er gehört zu den beliebtesten Festtagsgebäcken in der Adventszeit und erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Besonders auf deutschen Weihnachtsmärkten finden sich spezialisierte Baumkuchen-Stände, an denen das frische Gebäck heiß verkauft wird – entweder als ganze Kuchen zum Mitnehmen oder in mundgerechten Spitzen zum sofortigen Verzehr.

Die aufwendige Herstellung bedeutet aber auch, dass der Baumkuchen in seiner traditionellen Form nur noch in wenigen spezialisierten Konditoreien hergestellt wird. Dies macht ihn zu einem noch wertvolleren und geschätzteren Gebäck. Salzwedel in Sachsen-Anhalt hat sich dabei als eine besondere Hochburg der Baumkuchen-Tradition etabliert. Die erste Salzwedeler Baumkuchenfabrik der Familie Hennig brachte das Rezept 1807 von einer Wanderschaft mit nach Salzwedel und bewahrt die Tradition bis heute. Diese Familie und weitere spezialisierte Bäckereien zeigen, wie lebendig die Baumkuchen-Kultur in Deutschland noch ist.

Der Baumkuchen geht um die Welt: Die japanische Liebesaffäre

Eine bemerkenswerte Geschichte ist die außergewöhnliche Liebe der Japaner zum Baumkuchen. Während das Gebäck in Deutschland heute nur noch selten anzutreffen ist, erlebt es in Japan einen enormen Boom. Dieser faszinierende kulturelle Austausch geht auf eine historische Episode zurück.

In der frühen 1920er Jahren lebte der deutsche Konditor Karl Joseph Wilhelm Juchheim aus Kaub am Rhein in der damaligen deutschen Kolonie Qingdao (Tsingtau) in China. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen japanische Truppen das Gebiet. Juchheim wurde interniert, später aber in den 1920er Jahren nach Japan gebracht, wo er sich in Kobe niederließ und eine Bäckerei gründete. Dort stellte er seinen Baumkuchen her und machte das deutsche Gebäck langsam aber sicher bekannt.

Hundert Jahre später ist der Baumkuchen aus der japanischen Kultur nicht mehr wegzudenken. Der 4. März ist seit 2010 in Japan der Nationale Tag des Baumkuchens, und die japanische Leidenschaft für dieses Gebäck ist beeindruckend. Im Jahr 2014 erzielte die Baumkuchen-Industrie in Japan einen Umsatz von über 350 Millionen Euro. Man findet Baumkuchen überall: in Konditoreien, Bäckereien, Convenience Stores, Supermärkten und in fast jedem Einzelhandelsladen.

Was besonders faszinierend ist: Die Japaner haben den Baumkuchen in unzählige Varianten verwandelt. Es gibt Varianten mit exotischen Geschmacksrichtungen wie Matcha (grüner Tee), KürbisZitroneMango und vielen anderen kreativen Kombinationen. Diese Vielfalt hat den Baumkuchen zum Lieblingssouvenirs von japanischen Touristen gemacht. Viele Japan-Reiseführer und Airline-Prospekte für asiatische Besucher empfehlen spezialisierte Baumkuchen-Cafés, besonders das legendäre „Buchwald“ in Berlin, das von internationalen Magazinen sogar auf die Liste der „25 Bäckereien auf der Welt, die man sehen muss, bevor man stirbt“ aufgenommen wurde.

Die Bedeutung des Tag des Baumkuchens heute

Der 12. Dezember ist somit nicht nur ein Tag, um den Baumkuchen zu feiern, sondern auch ein Tag, die deutsche Handwerkstradition, Kultur und Leidenschaft zu würdigen. Er erinnert uns daran, dass hinter scheinbar einfachen Dingen oft eine tiefe Geschichte, unglaublich viel Handwerk und Liebe zum Detail stecken.

Der Tag des Baumkuchens lädt dazu ein, dieses König aller Kuchen zu genießen – sei es als ganzer Kuchen, in Spitzen auf dem Weihnachtsmarkt oder als Souvenir für zu Hause. Gleichzeitig würdigt er die Meisterbäcker und Konditoren, die diese Tradition bewahren und weitergeben. In einer Zeit, in der industriell gefertigte Massenware dominiert, ist es wichtig, handwerkliche Qualität und traditionelle Herstellungsmethoden zu schätzen und zu unterstützen.

Wer also am 12. Dezember ein Stück Baumkuchen genießt, beteiligt sich an einer historischen Tradition, die über fünfhundert Jahre zurückreicht, und trägt dazu bei, ein wertvolles Stück deutscher Kulturgeschichte lebendig zu halten.

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