Weihnachten in Schweden: Traditionen, Bräuche und Feiertage
Schweden hat eine reiche und einzigartige Weihnachtstradition, die sich über die gesamte Adventszeit erstreckt und eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Die schwedische Weihnacht, oder „Jul“ auf Schwedisch, wird mit besonderen Bräuchen, traditionellen Speisen und festlichen Ritualen begangen, die Generationen überdauert haben. Die Weihnachtszeit in Schweden dauert insgesamt 20 Tage, vom 13. Dezember bis zum 13. Januar, wenn der St.-Knuts-Tag die Feierlichkeiten offiziell beendet.
Die Adventszeit als Einstimmung auf Weihnachten
Die schwedische Weihnachtszeit beginnt nicht erst am 1. Dezember, sondern wird bereits mit den Adventssonntagen eingeleitet. Die Adventskalender, oder „Julkalender“, spielen eine wichtige Rolle in der Vorbereitung auf das Fest. Diese Tradition stammt ursprünglich aus Deutschland und wurde erst ab 1934 in Schweden populär, als ein schwedischer Pfadfinderverein bebilderte Adventskalender zum Verkauf anbot, die sofort ausverkauft waren.
Heute gibt es in Schweden Adventskalender in vielen verschiedenen Formen: von klassischen Papierkalendern über Schokoladenkalender bis hin zu Fotokalendern. Eine ganz besondere Tradition sind die TV-Adventskalender, die täglich vom 1. bis 24. Dezember ausgestrahlt werden. Diese sind in ganz Schweden ein kulturelles Ereignis, bei dem ganze Familien zusammen die täglichen Episoden verfolgen und diskutieren.
Das Luciafest am 13. Dezember – das Fest der Lichter
Das Luciafest am 13. Dezember ist einer der Höhepunkte der schwedischen Weihnachtszeit und symbolisiert das Licht in der dunkelsten Zeit des Jahres. Das Fest gedenkt der heiligen Lucia, einer italienischen Märtyrerin, und wird im gesamten skandinavischen Raum gefeiert. Der 13. Dezember fiel im julianischen Kalender auf die Wintersonnenwende, weshalb dieses Datum bis heute von großer spiritueller Bedeutung ist.
Das Luciafest ist etwa 400 Jahre alt und wurde 1764 zum ersten Mal in einem schwedischen Landhaus gefeiert. Richtig etabliert hat sich der Brauch jedoch erst im 20. Jahrhundert. Heute ist das Luciafest so tief in der schwedischen Kultur verankert wie das Mittsommerfest oder das Krebsfest im Spätsommer.
Die Lucia-Prozession und Tradition
Der Höhepunkt des Luciafestes ist der sogenannte Luciatåg, eine feierliche Prozession mit singenden Menschen in weißen Roben. Die Lucia, meist eine junge Frau oder ein Mädchen, führt diese Prozession an und trägt dabei einen Kerzenkranz auf dem Kopf – ein beeindruckendes und magisches Bild mitten im skandinavischen Winter. Das Kostüm besteht aus einem weißen Kleid, einer roten Schärpe und eben diesem charakteristischen Kerzenkranz mit brennenden oder leuchtenden Kerzen.
Die Lucia-Prozessionen finden landesweit statt – in Kirchen, Kindergärten, Schulen, Altenheimen, Büros und auf zentralen Plätzen. Sie werden oft vom Singen des Liedes „Santa Lucia“ begleitet, das mit seiner eingängigen und weltbekannten Melodie gesungen wird. Insgesamt werden beim Luciafest täglich Millionen von Kerzen angezündet, was das Land in ein glühendes Lichtermeer verwandelt.
Lucia-Gebäck: Lussekatter
Zur Lucia-Feier gehört traditionellerweise das Backen von Lussekatter, den charakteristischen Lucia-Brötchen mit Safran. Diese kleinen, S-förmig gedrehten Hefegebäcke sind mit Safran gewürzt und werden mit Rosinen verziert. Der Safran verleiht den Brötchen ihre charakteristische goldgelbe Farbe und ihren feinen, würzigen Geschmack.
Die Lussekatter werden nicht nur zu Hause gebacken, sondern sind auch ein fester Bestandteil der Lucia-Feierlichkeiten in Schulen, Kindergärten und Büros. Neben den Lussekatter gehören auch Lebkuchen und das traditionelle schwedische Safrangebäck zum Luciafest. Der Genuss dieser Leckereien begleitet von würzigem Glögg (Glühwein) ist ein unverzichtbarer Teil der Lucia-Tradition.
Der 23. Dezember – Vorbereitung auf Heiligabend
Der 23. Dezember, der Tag vor Heiligabend, ist in Schweden der Haupttag der Weihnachtsvorbereitung. An diesem Tag wird traditionellerweise der Weihnachtsbaum geschmückt, falls dies nicht bereits vorher geschehen ist. Die Dekoration des Weihnachtsbaums, oder „Julgran“, folgt schwedischen Traditionen: Der Baum wird mit Lichtern, Kugeln und Glitter geschmückt. Eine besondere schwedische Tradition ist das Schmücken mit Flaggen und die charakteristische Strohjule (Julbock), eine aus Stroh geflochtene Ziegenbockfigur, die oben auf dem Baum thront.
Darüber hinaus werden am 23. Dezember die schwedischen Reim-Gedichte komponiert, die sogenannten Julklapp-Reime, die am Weihnachtsabend vorgetragen werden. Diese humorvollen Reime nehmen die Beschenkten liebevoll auf die Schippe und enthalten Anspielungen auf den Inhalt der Weihnachtsgeschenke. Für viele schwedische Familien ist das Schreiben dieser Reimgedichte ein fester und unterhaltsamer Bestandteil der Weihnachtsvorbereitung.
Das traditionelle Julbord – das schwedische Weihnachtsbuffet
Das Julbord ist das Herzstück des schwedischen Weihnachtsessens und stellt ein umfangreiches, festliches Buffet dar, das sowohl kalte als auch warme Spezialitäten bietet. Diese Tradition entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und hat sich seither zu einem Symbol der schwedischen Weihnacht entwickelt. Das Julbord war damals noch ein Luxus für schwedische Haushalte, ist heute aber in nahezu jedem Supermarkt erhältlich und wird auch in Restaurants während der Vorweihnachtszeit angeboten.
Kalte Speisen des Julbord
Die kalten Speisen des Julbord beginnen traditionell mit verschiedenen Arten von eingelegtem Hering (Sill). In der modernen schwedischen Küche finden sich häufig sechs bis acht verschiedene Sorten Hering in unterschiedlichen Marinaden – beispielsweise in Dill-, Curry- oder Senfsauce.
Weitere kalte Spezialitäten sind:
- Gravad Lax (gebeizt Lachs) und geräucherter Lachs, serviert mit einer cremigen Meerrettichsauce oder der klassischen Hovmästarsauce
- Krabben und Garnelen, entweder zum Schälen oder bereits als Krabbensalat zubereitet
- Räucheraal für diejenigen, die Fisch bevorzugen
- Smörgåstårta, eine deftige und mehrschichtige Sandwich-Torte
- Heringssalat und Krabbensalat
- Verschiedene Wurst- und Aufschnittplatte mit Roastbeef und Leberpastete
- Halbierte hartgekochte Eier
Warme Speisen des Julbord
Die warmen Speisen sind das eigentliche Highlight des Julbord-Buffets:
Julskinka (Weihnachtsschinken) ist die klassische Hauptspeise und wird mit süßem Senf serviert. Dieser gepökelte Schinken wird entweder im Ofen gegart oder gekocht und bildet den Mittelpunkt jedes traditonellen Julbords.
Köttbullar sind die berühmten schwedischen Fleischbällchen, die auf keinem Julbord fehlen dürfen. Sie werden traditionell mit Kartoffeln, cremiger Sahnesoße, Gewürzgurken und Preiselbeeren serviert.
Prinskorv sind kleine, geräucherte Würstchen, die gebraten werden und zu den Klassikern des Weihnachtsbuffets gehören.
Janssons frestelse (Janssons Versuchung) ist ein köstliches Kartoffelgratin mit Anchovis, das ein unverzichtbarer Bestandteil des authentischen Julbord ist.
Revbensspjäll (Rippchen vom Schwein) und verschiedene Kohlsorten wie Rotkohl, Rosenkohl oder in einigen Regionen Grünkohl runden die warmen Speisen ab.
Beilagen und weitere Komponenten
Zum vollständigen Julbord gehören ferner:
- Kartoffeln in verschiedenen Zubereitungen
- Rote-Bete-Salat (Rödbetssallad)
- Brot und Knäckebrot
- Verschiedene Käsesorten
- Saucen wie Hovmästarsauce für den Lachs und Meerrettich
- Verschiedene Dips, etwa Sahnemeerrettich
Die Tradition besagt, dass zum Julbord mit „skål“ angestoßen wird. Die wichtigsten schwedischen Weihnachtsgrüße sind „God Jul“ (Frohe Weihnachten) und „God fortsättning“ (genieße die restlichen Feiertage).
Glögg – der würzige Weihnachtspunsch
Glögg, auch als „Schwedenpunsch“ bekannt, ist der traditionelle skandinavische Glühwein und ein absolutes Muss zur Weihnachtszeit in Schweden. Dieses würzige, dampfende Getränk wird auf Weihnachtsmärkten und bei privaten Feiern serviert und trägt wesentlich zur festlichen Atmosphäre bei.
Glögg wird aus Rotwein, Brandy oder Rum, Zucker und einer sorgfältig zusammengestellten Mischung aus Gewürzen zubereitet. Typische Gewürze sind Kardamom, Zimt, Nelken, Ingwer und manchmal auch Sternanis. Das Getränk wird nicht gekocht, sondern nur vorsichtig erwärmt, damit die Aromen vollständig zur Geltung kommen. Oft wird Glögg über Nacht ziehen gelassen, um den tiefsten Geschmack zu entwickeln. Zum Servieren werden häufig blanchierte Mandeln und Rosinen hinzugefügt, die dem Punsch eine besondere Textur und Süße verleihen.
In Schweden gibt es auch alkoholfreie Varianten von Glögg für Kinder und autofahrende Erwachsene, denn im öffentlichen Raum ist der Alkoholkonsum in Schweden strengstens verboten.
Der Jultomte – der schwedische Weihnachtswichtel
Der Jultomte ist eine zentrale Figur der schwedischen Weihnachtstradition und unterscheidet sich grundlegend vom amerikanischen Santa Claus oder dem deutschen Weihnachtsmann. Der Name setzt sich zusammen aus „Jul“ (Schwedisch für Weihnachten) und „Tomte“ (ein Zwerg oder Wichtel).
Der Jultomte ist ein fröhlicher, bärtiger Wichtel mit roter Mütze, der nicht am Nordpol lebt, sondern bodenständig im eigenen Haus oder im Stall einer Familie. Er gehört zur Familie und ist ein Symbol für Nähe, Wärme und Zusammenhalt. An Heiligabend kommt der Jultomte mit seinem Sack voller Geschenke zu den Kindern und fragt traditionell: „Finns det några snälla barn här?“ (Gibt es hier brave Kinder?).
Die Herkunft des Jultomte
Die Figur des Jultomte hat ihre Wurzeln in alter schwedischer Folklore. Ursprünglich war der Tomte ein Hausgeist, der den Hof und dessen Bewohner beschützte. Im 19. Jahrhundert verschmolz dieser traditionelle Hof-Tomte mit der Figur des Weihnachtsmanns. Die charakteristische Erscheinung des modernen Jultomte mit roter Mütze und Bart geht auf die Zeichnungen der schwedischen Künstlerin Jenny Nyström zurück, die dem Tomte das Aussehen verlieh, das wir heute kennen.
Besondere Berühmtheit erlangte die Tomte-Figur durch die Kinderbuchreihe „Tomte Tummetott“ von Astrid Lindgren aus den 1960er Jahren. Diese Bücher sind noch immer beliebte Lektüre für gemütliche Adventsabende mit Kindern.
Die Belohnung des Tomte
Eine besondere Tradition besagt, dass die Hausgeister und Weihnachtswichtel bei den Vorbereitungen zur Weihnacht tatkräftig mithelfen und die Familie schützen. Als Dank werden die guten Hauswichtel am Heiligen Abend mit einer traditionellen Schüssel Milchbrei (Ris à la Malta) belohnt, die vor die Haustür gestellt wird. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Weihnachtstradition, denn wenn man es versäumt, den Milchbrei vor die Tür zu stellen, wird man dem Glauben nach im neuen Jahr mit Unglück bestraft.
Der Julbock – die Strohjule als Dekoration
Der Julbock ist ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, der in Schweden und anderen skandinavischen Ländern ein wichtiges Symbol für die Weihnachtszeit ist. Diese Strohjule wird heute als Weihnachtsschmuck oder Schmuck für den Weihnachtsbaum verwendet und ist ein Zeichen nachhaltiger und natürlicher Weihnachtsdekoration.
Die Bedeutung des Julbock in der nordischen Mythologie
In der nordischen Mythologie ist die Ziege ein Symbol für Macht und Fruchtbarkeit. Der berühmte Donnergott Thor wurde sogar von zwei Ziegen gezogen. Später entwickelte sich die Tradition, dass junge Leute sich als Julbock verkleideten und von Haus zu Haus gingen, um Spenden für ihre Weihnachtsfeste zu sammeln. Im 19. Jahrhundert übernahm der Julbock sogar die Rolle als Überbringer der Weihnachtsgeschenke, wie die bekannten Autorinnen Selma Lagerlöf und Alice Tegnér berichteten.
Der berühmte Gävlebocken
Eine ganz besondere Tradition ist der Gävlebocken, ein riesiger Strohbock in der nordschwedischen Stadt Gävle. Seit 1966 wird jedes Jahr ab dem ersten Advent eine 13 Meter hohe, 7 Meter lange und etwa 3,5 Tonnen schwere Strohziege auf dem Slottstorget in der Innenstadt aufgestellt. Die Einweihung lockt jedes Jahr Zehntausende von Einwohnern und Besuchern an. Wer nicht vor Ort ist, kann sich den Gävlebocken über eine Webcam verfolgen. Diese Tradition ist jedoch auch berüchtigt: Bereits in der Silvesternacht 1966 ging der Julbock zum ersten Mal in Flammen auf – ein Ereignis, das sich in den folgenden Jahren wiederholt hat und mittlerweile selbst zu einer fragwürdigen Tradition geworden ist.
Heiligabend – Julafton und die Bescherung
Heiligabend (Julafton) am 24. Dezember ist der wichtigste Tag und gleichzeitig der Höhepunkt des Weihnachtsfestes in Schweden. An diesem Abend kommen die Familien zusammen, essen gemeinsam, lachen, singen traditionelle Weihnachtslieder und packen die Geschenke aus. Verschiedene traditionelle Bräuche und Rituale werden befolgt, die das Fest unvergesslich machen.
Kalle Anka – eine schwedische TV-Tradition
Eine einzigartige schwedische Weihnachtstradition, die es in keinem anderen Land gibt, ist die Ausstrahlung von „Kalle Anka och hans vänner önskar god jul“ (Donald Duck und seine Freunde wünschen Frohe Weihnachten) im Fernsehen. Seit 1960 wird diese Disney-Sendung jeden Heiligabend um 15:00 Uhr von SVT, dem schwedischen öffentlichen Fernsehen, ausgestrahlt. Es handelt sich um einen Zusammenschnitt bekannter Szenen aus Disney-Filmen, moderiert von Figuren wie dem Disney-Charakter Benjamin Syrsa.
Die Zuschauerzahlen sind beeindruckend: Etwa vier Millionen Schweden sitzen an Heiligabend vor dem Fernseher, um Kalle Anka zu schauen – bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 9,5 Millionen Menschen. Das ist eine Quote, die sich sehen lassen kann. Diese TV-Tradition ist so heilig in Schweden, dass es sogar ernsthafte Proteste gab, als 1982 versehentlich eine beliebte Szene mit dem Stier Ferdinand herausgeschnitten wurde – die Szene musste sofort nach der regulären Ausstrahlung gezeigt werden.
Im Laufe der Jahrzehnte stand Kalle Anka mehrmals vor dem Aus, doch Massenproteste führten jedes Mal dazu, dass der Sender einlenkte. 2002 wollte der Sender sogar Geld sparen und Kalle Anka streichen, doch ein heftiger Volkssturm zwang den Sender, einen neuen Vertrag mit Walt Disney zu schließen. Seither ist Kalle Anka die unbestrittene Nummer 1 am „Julafton“.
Die Mahlzeit am Heiligabend
Die Hauptmahlzeit am Heiligabend ist oft das Julbord, das zuvor beschriebene Weihnachtsbuffet. Alternativ werden in manchen Regionen oder Familien auch andere traditionelle Gerichte wie Lutfisk (getrockneter und eingelegter Fisch) oder regionale Spezialitäten serviert.
Die Weihnachtsgeschenke und der Jultomte
Nach dem Essen warten die Kinder ungeduldig auf die Ankunft des Jultomte, der mit seinem Sack voller Geschenke erscheint. In vielen Familien ist der Jultomte nicht nur eine Figur, sondern wird tatsächlich von jemandem verkörpert – oft ein Familienmitglied oder jemand, der dafür engagiert wurde. Die Spannung und Freude in diesem Moment ist unbeschreiblich.
Julklapp-Reime und Weihnachtslieder
Bevor die Geschenke ausgepackt werden, werden die zuvor erwähnten Julklapp-Reime vorgetragen. Diese humorvollen Gedichte werden für jedes Geschenk und jeden Beschenkten komponiert und enthalten häufig liebevolle Neckereien und Anspielungen auf den Inhalt der Pakete. Nach den Reimen wird es Zeit für die Bescherung.
Der Tanz um den Weihnachtsbaum
Eine besonders lebendige schwedische Tradition ist der Tanz um den Weihnachtsbaum. „Nu är det jul igen“ (Nun ist es wieder Weihnachten) wird so schnell hintereinander gesungen, dass einem der Kopf schwirrt, während die Familie in einer langen, fröhlichen Schlange singend um den bunt geschmückten Baum tanzt und durch das ganze Haus geht. Diese Tradition gibt der schwedischen Weihnacht ihren charakteristisch fröhlichen und ausgelassenen Charakter.
Schwedische Weihnachtslieder und Musik
Die schwedische Weihnachtsmusik unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von deutscher Weihnachtsmusik. Während deutsche Weihnachtslieder eher besinnlich sind, haben schwedische Weihnachtslieder oft einen schnelleren Rhythmus und einen fröhlichen, ausgelassenen Charakter. Dies ist direkt mit der Tradition des Tanzens um den Weihnachtsbaum verbunden.
Klassische schwedische Weihnachtslieder sind:
- „Santa Lucia“ – wird beim Lucia-Fest gesungen
- „Nu är det jul igen“ – das Lied zum Tanz um den Weihnachtsbaum
- „Stilla natt“ (Stille Nacht) – die schwedische Variante des deutschen Klassikers
- „Jul, jul strålande jul“ (Weihnacht, Weihnacht strahlende Weihnacht)
- „Tänd ett ljus“ (Zünde ein Licht an)
- „Julen är här“ (Die Weihnacht ist hier)
- „Hej tomtegubbar“ (Hallo Weihnachtswichtel)
- „For redeliga män“ – beschreibt auf außergewöhnliche Weise die Freude über den Weihnachtsmorgen
Internationale Weihnachtssongs wie „Last Christmas“ von Wham! und „Do they know it’s Christmas“ von Mariah Carey sind auch in Schweden auf den Radiostationen ständig zu hören und gehören längst zur schwedischen Weihnachtskultur.
Die Weihnachtsmärkte – Julmarknad
Schweden hat unzählige wunderbare Weihnachtsmärkte (Julmarknad) zu bieten, die sich stark von deutschen Märkten unterscheiden: Die meisten sind von Schnee bedeckt und bieten eine besonders authentische nordische Weihnachtsstimmung.
Stortorgets Julmarknad in Gamla Stan, Stockholm
Der Weihnachtsmarkt auf dem Stortorget in der Altstadt (Gamla Stan) von Stockholm gehört zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Schweden und wird bereits seit 1837 ausgerichtet. An etwa 32 Ständen bieten 41 Verkäufer schwedische Produkte aus allen Bereichen an: Kunstschmiede, Holz, Keramik und anderes Handwerk. Selbstverständlich findet man auch Süßigkeiten, Glögg, geröstete Mandeln, Brot und Wild. Der Markt ist von wunderschönen alten Häusern umringt und an einer Seite von der Svenska Akademien, die den Nobelpreis für Literatur vergibt.
Skansen Stockholm
Der Weihnachtsmarkt in Skansen, dem ältesten Freilichtmuseum der Welt, hat seit 1903 Tradition. Dank der besonderen Umgebung mit festlich geschmückten Gebäuden und der Aussicht auf Stockholm ist „Weihnachten in Skansen“ für Einheimische und Besucher ein absolutes Highlight im Advent. Im Museum kann man Kunsthandwerk und Weihnachtssüßigkeiten kaufen, um den Baum tanzen, Weihnachtsschmuck anfertigen, das Adventskonzert in der Kirche von Seglora besuchen und traditionell Kerzen ziehen.
Smålandsjul in Huseby bei Växjö
Die „småländische Weihnacht“ gehört zu den größten Weihnachtsmärkten in ganz Skandinavien. Der Markt findet auf dem Gut Huseby bei Växjö statt und zieht über 130 Aussteller und etwa 33.000 Besucher an neun Tagen im November an. Die stimmungsvolle Kulisse einer ehemaligen Eisenhütte mit historischen Gebäuden, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, bietet den perfekten Rahmen. Hier finden Besucher samisches Handwerk, Glaskunst, Textilien, Holzschnitzereien, Weihnachtswichtel, Keramik und handgezogene Kerzen – ein Weihnachtsparadies für alle Sinne.
Gustav Adolfs Torg in Malmö
Der Gustav Adolfs Torg im Zentrum von Malmö verwandelt sich in ein funkelndes Weihnachtswunderland. Festlich geschmückte Buden, Handwerkskunst, schwedische Leckereien und heißer Glögg prägen das Bild. Besonders abends, wenn die Lichter erstrahlen, ist die Stimmung magisch. Der Markt bietet fantastische Fotostellen und Lichtinstallationen.
Weitere bedeutende Weihnachtsmärkte
Auch das Schloss Tjolöholm an der schwedischen Westküste zwischen Göteborg und Varberg bietet in der Vorweihnachtszeit einen festlich geschmückten Markt mit Kunsthandwerkern und Lebensmittelausstellern aus dem ganzen Land. Der Weihnachtsmann wartet am Kamin des Schlosses und nimmt Kindern ihre Wunschlisten ab.
Der Weihnachtsmarkt in Sigtuna, Schwedens ältester Stadt, zieht seit über 50 Jahren Besucher aus Nah und Fern an. Die Gassen von Sigtuna bieten den perfekten Rahmen für traditionelle Marktstände und Kinderprogramme. Mitte Dezember kommt auch ein Lucia-Umzug vorbei, und der Markt erstreckt sich entlang der schmalen Hauptstraße Stora Gatan, wo sich bunte Holzhäuser drängen.
Der St.-Knuts-Tag am 13. Januar – das Ende der Weihnachtszeit
Die 20-tägige schwedische Weihnachtszeit endet offiziell am 13. Januar mit dem St.-Knuts-Tag (schwedisch „tjugondedag jul“ oder „tjugondag Knut“). Während die Weihnachtszeit in den meisten christlichen Traditionen nur 13 Tage dauert (vom 25. Dezember bis zum 6. Januar), feiern Schweden, Norwegen und Finnland eine um eine Woche längere Weihnachtszeit – insgesamt 20 Tage.
Die Geschichte des St.-Knuts-Tages
Der Name des Feiertags geht auf den Heiligen Knut IV. (ca. 1040 – 1086 n. Chr.) zurück, der König von Dänemark war und bis heute als Schutzpatron Dänemarks angesehen wird. Obwohl der St.-Knuts-Tag ausschließlich in Schweden, Norwegen und Finnland begangen wird, liegen seine historischen Ursprünge in Dänemark. Nach einer Überlieferung ordnete König Knut an, dass das dänische Weihnachten 20 Tage andauern soll und demnach erst am 13. Januar endet. Nach einer anderen Version war Knut als frommer Christ der Meinung, dass die Zeit vom 1. Weihnachtsfeiertag bis zum 6. Januar nicht lange genug sei, und verlängerte deshalb die Weihnachtszeit einfach auf insgesamt 20 Tage.
Die Julgransplundring – die Plünderung des Weihnachtsbaums
Am 13. Januar wird in Schweden die charakteristische Tradition der „julgransplundring“, der Plünderung des Weihnachtsbaums, begangen. Die Kerzen und der Schmuck werden von den Weihnachtsbäumen genommen – eine Praxis, die in skandinavischen Ländern lange vor der Moderne üblich war. Heute wird dies als feierlicher und familiärer Akt begangen, der besonders bei den Kindern sehr beliebt ist. Die Kinder freuen sich darauf, die noch am Baum hängenden Süßigkeiten zu sammeln und den Baum schließlich zu „plündern“.
Eine alte Tradition besagt auch, dass man die Weihnachtsbäume am St.-Knuts-Tag ganz einfach aus dem Fenster wirft – eine unterhaltsame schwedische Art, sich von der Weihnachtszeit zu verabschieden!
Regionale Besonderheiten der schwedischen Weihnacht
Während viele Weihnachtstraditionen in ganz Schweden gelten, gibt es auch regionale Besonderheiten. In Nordschweden isst man gerne Wildgerichte zu Weihnachten, außerdem wird dort häufig Fatost serviert, ein Nachtisch aus Milch, Käselab (Ostlöpe), Zucker, Eiern und Zimt.
Die kulturelle Bedeutung der schwedischen Weihnacht
Die schwedische Weihnacht ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern ein kulturelles Ereignis, das tiefe Wurzeln in der schwedischen Gesellschaft hat. Der Begriff „Julhygge“ fasst die gesamte Weihnachtsfreude zusammen – ein Gefühl der Gemütlichkeit, Wärme und Zusammengehörigkeit, das typischerweise mit der Weihnachtszeit assoziiert wird.
Generationenübergreifend werden die Traditionen weitergegeben: Von den Kindern, die die ersten Adventskalender öffnen, über die Jugendlichen, die als Lucia fungieren, bis hin zu den Erwachsenen, die das Julbord zubereiten und die Wichtel mit Milchbrei belohnen – alle tragen zur lebendigen Weihnachtskultur Schwedens bei.
Weihnachten als zentrales Kulturfest Schwedens
Die schwedische Weihnacht ist ein faszinierendes Zusammenspiel von alten heidnischen Traditionen, christlichen Bräuchen und modernen Feierlichkeiten. Mit ihren Licht-Festivals wie dem Luciafest, ihren traditionellen Speisen wie dem Julbord und ihrem charakteristischen Weihnachtswichtel dem Jultomte bietet die schwedische Weihnacht eine einzigartige kulturelle Erfahrung. Ob auf den Weihnachtsmärkten, beim Tanzen um den Weihnachtsbaum oder beim Genießen von Glögg und Lussekatter – die schwedische Weihnacht verzaubert alle, die sie erleben.
Die 20-tägige Dauer der Weihnachtszeit in Schweden zeigt, wie wichtig dieses Fest in der nordischen Kultur ist. Es ist ein Fest, das Licht in die dunkelste Zeit des Jahres bringt und Menschen zusammenführt – sei es in Familien, in Gemeinden oder auf festlich geschmückten Weihnachtsmärkten. Weihnachten in Schweden ist mehr als nur ein Fest; es ist eine Feier des Lebens, der Hoffnung und der menschlichen Verbundenheit.



