Zweiter Weihnachtstag – Definition, Geschichte und Bedeutung

Der Zweite Weihnachtstag, auch als Zweiter Weihnachtsfeiertag bezeichnet, wird in Deutschland am 26. Dezember gefeiert und gehört zu den wichtigsten gesetzlichen Feiertagen im deutschen Kirchenjahr. Mit dem Tag verbinden sich tiefe religiöse Bedeutungen, vielfältige Traditionen sowie das Gedenken an die Verfolgung von Christen weltweit. Dieser Artikel erläutert die Bedeutung, Geschichte, Traditionen und religiösen Hintergründe des Zweiten Weihnachtstages umfassend.

Zweiter Weihnachtstag – Definition, Geschichte und Bedeutung
Zweiter Weihnachtstag – Definition, Geschichte und Bedeutung
Zweiter Weihnachtstag – Definition, Geschichte und Bedeutung

Was ist der Zweite Weihnachtstag?

Der Zweite Weihnachtstag am 26. Dezember ist in Deutschland sowie in den meisten europäischen Ländern ein gesetzlich anerkannter Feiertag. Der Tag wird auch als StephanustagStefanitagStephanstag oder Stefanstag bezeichnet – Bezeichnungen, die auf die religiöse Verbindung des Tages zum heiligen Stephanus verweisen. Während der erste Weihnachtstag am 25. Dezember ganz im Zeichen der Geburt Jesu Christi steht, verschieben sich die religiösen Schwerpunkte am zweiten Weihnachtsfeiertag. Der Tag wird nicht primär als Geburtstag Jesu begangen, sondern nimmt zwei zentrale theologische Bedeutungen in sich auf: die Fleischwerdung Gottes, auch als Inkarnation bezeichnet, sowie die Erinnerung an den heiligen Märtyrer Stephanus.

Religiöse Bedeutung: Die Inkarnation

In den evangelischen Kirchen Deutschlands bildet die Inkarnation das Zentrum der Predigt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Damit ist die Fleischwerdung des göttlichen Wortes gemeint – die theologische Aussage, dass Gott selbst in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen hat. Diese tiefe religiöse Wahrheit geht über die zunächst kindliche Weihnachtserzählung der Geburt Jesu hinaus und reflektiert die kosmische Bedeutung dieses Ereignisses.

Die liturgischen Texte für den zweiten Weihnachtstag in der evangelischen Kirche verdeutlichen diese Schwerpunktverschiebung: Das Evangelium nach Johannes (Johannes 1,1–14) wird verlesen, welches in philosophischer Weise von der Menschwerdung des Wortes berichtet. Die Epistel aus dem Hebräerbrief (Hebräer 1,1–6) sowie Lesung aus dem Alten Testament (Jesaja 11,1–9) vervollständigen die theologische Botschaft dieses besonderen Feiertags.

In der römisch-katholischen Kirche hingegen wird die Inkarnation bereits am ersten Weihnachtstag am Hochaltar während der Heiligen Messe gefeiert, weshalb der 26. Dezember hier die Rolle des Gedenktages des heiligen Stephanus einnimmt.

Der heilige Stephanus – Der erste christliche Märtyrer

Der Zweite Weihnachtstag ist unmittelbar dem heiligen Stephanus (auch Stephanos oder Stephanus genannt) gewidmet – einem der bedeutendsten Figuren in der frühen Christentumsgeschichte. Die Bedeutung seines Namens lautet „der Bekränzte“, welcher seine Rolle als verehrter und ehrenhafter Heiliger widerspiegelt.

Stephanus war einer der ersten Diakone der frühen Kirchengemeinde in Jerusalem. Diakone waren Helfer der Apostel, die sich der praktischen und karitativen Aufgaben der Gemeinde widmeten. In der Apostelgeschichte (Apg 6,1–8,2) wird berichtet, dass Stephanus ein Mann voller Glauben und Gnade war, der durch den Heiligen Geist getrieben außergewöhnliche Wunder und Zeichen wirkte. Er verkündete die frohe Botschaft Christi mit Kraft und Vollmacht, doch erregte er durch seine radikale Verkündigung und seine Ablehnung des traditionellen Tempelkults großen Widerstand.

Die Verfolgung gipfelte in dramatischen Ereignissen: Stephanus wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und in einer Rede vor dem Rat der Juden seine christliche Überzeugung verteidigt. Als er sein Angesicht zum Himmel erhob und nach eigenen Worten „die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen“ sah, wurde die aufgebrachte Menge so erzürnt, dass sie ihn hinauszerrte und bei der Stadt – vor dem Damaskustor – steinigte. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“ – Worte, die tiefe Vergebung und Gnade ausdrücken. Mit seinem Tod wurde Stephanus zum Erzmärtyrer und ersten Märtyrer des Christentums erhoben. Die Verehrung des heiligen Stephanus ist seit dem 4. Jahrhundert urkundlich belegt.

Geschichtliche Entwicklung: Die Weihnachtsoktav und Martin Luther

Die Existenz des Zweiten Weihnachtstages ist eng mit der kirchengeschichtlichen Entwicklung des Weihnachtsfestes verknüpft. Bereits seit der karolingischen Zeit (ab dem 8. Jahrhundert) war es Brauch, dass das Weihnachtsfest eine Oktav (eine achtägige Festzeit) hatte. Diese Weihnachtsoktav erstreckte sich vom 25. Dezember bis zum 1. Januar und umfasste neben dem Hochfest der Geburt des Herrn auch das Hochfest der Gottesmutter am Neujahrstag.

Während dieser Oktav behielten andere, bereits existierende Heiligenfeste ihre liturgischen Rechte, darunter das Fest des heiligen Stephanus am 26. Dezember. Diese alte Tradition der Weihnachtsoktav ist bis heute in der Liturgie verankert und prägt das kirchliche Verständnis der Weihnachtszeit.

Ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weihnachtstages war die Reformation durch Martin Luther im 16. Jahrhundert. Vor Luthers Reformation gab es in den verschiedenen deutschen Herrschaftsgebieten keine einheitlich geregelten Weihnachtsfeiertage. Während manche Gebiete nur einen Weihnachtstag feierten, zelebrierte man anderswo bis zu fünf Weihnachtstage. Luther vereinheitlichte diese Praxis und etablierte die Regelung von zwei Weihnachtsfeiertagen für ganz Deutschland – eine Neuerung, die sich bis heute bewährt hat und in der modernen deutschen Gesellschaft fortbesteht.

Gesetzlicher Status und Arbeitsrecht

Der Zweite Weihnachtsfeiertag besitzt in Deutschland den Status eines gesetzlichen Feiertags. Dies bedeutet, dass arbeitende Menschen am 26. Dezember normalerweise arbeitsfrei sind und Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch ihren Arbeitgeber haben. Diese Regelung ist im Arbeitnehmergesetz verankert.

Allerdings gibt es Ausnahmeregelungen für bestimmte Berufsgruppen und Branchen. Gemäß Paragraf 10 des Arbeitnehmergesetzes sind es insbesondere die Bereiche Gesundheitswesen, Rettungsdienste, Notfalldienste, Sicherheitsdienste sowie andere kritische Infrastrukturbereiche, die auch an Feiertagen tätig sein müssen. Für solche Tätigkeiten gelten spezielle Regelungen bezüglich Ausgleichstagen oder Zuschlägen. Die Gastronomie, der Einzelhandel und Event-Management sind weitere Bereiche, wo – je nach regionalen Gegebenheiten und speziellen Tarifverträgen – teilweise auch am 26. Dezember gearbeitet wird.

Der Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen

Eine moderne und bedeutsame Dimension des Zweiten Weihnachtstages ist seine Verbindung zum „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. Diese Verbindung ist bewusst gewählt worden: Da der 26. Dezember das Fest des heiligen Stephanus ist – des ersten Märtyrers, der für seinen Glauben verfolgt und gesteinigt wurde – wird dieser Tag als passender Zeitpunkt betrachtet, um an alle Christen zu denken, die heute in verschiedenen Teilen der Welt Diskriminierung, Verfolgung und Unterdrückung erleiden.

Die deutsche römisch-katholische Kirche begeht seit 2012 den Gebetstag am 26. Dezember als überdiözesanen Gebetstag. Diese Initiative wird von der Deutschen Bischofskonferenz unterstützt und dient dazu, in den Kirchengemeinden sowie in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit Bewusstsein für die Situation verfolgter Christen weltweit zu schaffen. Der Gebetstag unterstreicht zugleich das kirchliche Bekenntnis zur Religionsfreiheit aller Menschen. Auch die Evangelische Kirche in Württemberg begegnet dieser Tradition durch den Gebetstag für verfolgte Christen.

Traditionen und Bräuche des Zweiten Weihnachtstages

Der Zweite Weihnachtstag wird in Deutschland auf vielfältige Weise begangen und ist in vielen Familien von eigenen Traditionen durchdrungen.

Besuche bei Verwandten und Freunden: Nach den intensiven Feierlichkeiten am Heiligen Abend und dem ersten Weihnachtstag wird der 26. Dezember oft dazu genutzt, Verwandte, Großeltern, Onkel, Tanten oder entferntere Freunde zu besuchen, die an den vorherigen Tagen nicht gesehen wurden. Es ist ein Tag des nachträglichen Austauschs von Weihnachtsgeschenken, des Kaffeetrinkens und des vertieften Austauschs in der Familie. Diese Besuche haben den Charakter einer Fortführung und Vertiefung der Weihnachtsgespräche.

Weihnachtsspaziergänge: Ein beliebter Brauch am Zweiten Weihnachtstag ist der gemeinsame Weihnachtsspaziergang in der Familie oder mit Freunden. Nach den üppigen Festessen der Vortage nutzen viele Menschen diesen freien Tag, um in der Natur spazieren zu gehen. Die winterliche Landschaft, oft mit Schnee oder Frost, bietet eine malerische Kulisse für meditative Wanderungen. Solche Spaziergänge dienen nicht nur der körperlichen Betätigung, sondern ermöglichen auch Ruhe und Besinnung nach der hektischen Weihnachtsvorbereitung.

Festliche Mahlzeiten: Der Zweite Weihnachtstag ist auch kulinarisch geprägt. Während an den Vortagen traditionell aufwändige Braten wie Gans, Ente oder Karpfen zubereitet werden, werden diese am 26. Dezember gerne in neuer Form genossen – als Reste in abwechslungsreicher Zubereitung, als leichtere Mahlzeiten oder in Form von Aufläufen. Ebenso sind gemütliche Kaffeestunden mit Stollen, Lebkuchen, Plätzchen und anderen weihnachtlichen Leckereien an diesem Tag typisch.

Gottesdienste und kirchliche Andachten: In vielen Gemeinden finden auch am Zweiten Weihnachtstag Gottesdienste statt, die sich durch weniger Besucherandrang als an den vorherigen Tagen auszeichnen. Gläubige Christen nutzen diesen Tag zur persönlichen Besinnung, zum Dank für das Weihnachtsfest und zur Teilnahme an liturgischen Feiern. Die Gottesdienste sind oft geprägt von reflektiven Elementen und musikalischen Darbietungen, die das Weihnachtsfest ausklingen lassen.

Der westfälische Brauch: Stephanus steinigen: Ein besonderer und spezieller Brauch ist das sogenannte „Stephanus steinigen“, das vor allem im Münsterland und anderen Teilen Westfalens gepflegt wird. Dabei ziehen – üblicherweise Männer – von Kneipe zu Kneipe und tragen dabei einen Stein in der Tasche. Dieser Brauch nimmt auf humorvolle Weise Bezug zur Steinigung des heiligen Stephanus. Eine ungeschriebene Regel besagt: Wer ohne Stein die Kneipe betritt, muss eine Runde ausgeben. Brauchtumsforscher deuten diesen Brauch als eine „Ausrede zum Weiterfeiern“ – eine fröhliche Fortführung der Weihnachtsfestlichkeiten unter dem Deckmantel religiöser Tradition.

Historische Bräuche: In früheren Jahrhunderten existierten noch weitere Bräuche rund um den Stephanustag, die heute größtenteils in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehörten das Austeilen von Brot an Bedürftige, das Ziehen von Haus zu Haus (ähnlich dem Sternsingen), die Segnung des Stephaniwein – ein Wein, in welchen ein Stein gelegt wurde – sowie die Segnung von Pferden und Kutschen. Diese Praktiken waren Ausdruck der Verehrung des heiligen Stephanus als Patron verschiedener Berufsgruppen.

Der Zweite Weihnachtstag als Tag der Erholung und Besinnung

Für viele Menschen nimmt der Zweite Weihnachtstag eine besondere Rolle als Erholungstag ein. Nach den intensiven Vorbereitungen, dem Einkaufen, Kochen und den vielen sozialen Verpflichtungen rund um Heiligabend und den ersten Weihnachtstag nutzen viele den 26. Dezember zur Entspannung. Es ist ein Tag, an dem sich Menschen Zeit für sich selbst nehmen – zum Lesen, Fernsehen, Musikhören oder einfach zum gemütlichen Verweilen zu Hause.

Diese Ruhepause trägt nicht nur zur physischen Regeneration bei, sondern ermöglicht auch eine mentale und emotionale Erholung. Angesichts der stressigen Vorweihnachtszeit bietet der Zweite Weihnachtstag damit eine Gelegenheit zu innerer Besinnung und zur Neuausrichtung auf die kommende Zeit.

Unterschiede zwischen katholischen und evangelischen Traditionen

Obwohl der Zweite Weihnachtstag in beiden Konfessionen gefeiert wird, gibt es in der liturgischen Gewichtung Unterschiede. In der römisch-katholischen Kirche wird der 26. Dezember primär als Fest des heiligen Stephanus begangen, während die Inkarnation bereits am 25. Dezember in der Heiligen Messe „Am Tage“ zentrales Thema ist.

n den evangelischen Kirchen hat sich hingegen eine andere Praxis entwickelt: Hier wird am Zweiten Weihnachtsfeiertag das Fest christologisch – also auf die Person und das Werk Jesu Christi bezogen – begangen und besonders die Inkarnation in den Vordergrund gestellt. Dieses Verständnis hat dazu geführt, dass in vielen evangelischen Gemeinden der Gedanke an Stephanus in den Hintergrund tritt, obwohl es in einigen Agenden der evangelischen Kirche (etwa in Württemberg) vorgesehen ist, dass das Stephanusfest am Abend des Zweiten Weihnachtstages begangen werden kann.

Internationaler Kontext: Boxing Day

In vielen englischsprachigen Ländern und Staaten des Commonwealth of Nations – darunter Großbritannien, Kanada, Australien – wird der 26. Dezember nicht als Zweiter Weihnachtsfeiertag, sondern als Boxing Day bezeichnet. Der Name hat umstrittene Ursprünge, wird aber häufig mit der frühen englischen Tradition verbunden, wonach die Arbeitgeber und Großhaushalte ihren Bediensteten am 26. Dezember – dem Tag nach Weihnachten – Geldgeschenke in Boxen reichten („boxes“). Der Boxing Day hat sich zu einem Tag der Freizeitaktivitäten, des Einkaufens und der Familienfeste entwickelt.

Die Bedeutung des Zweiten Weihnachtstages heute

Der Zweite Weihnachtstag am 26. Dezember verkörpert eine einzigartige Mischung aus religionsgeschichtlicher Tiefe, theologischen Bedeutungen und gelebter Alltagskultur. Als Stephanustag erinnert er an die Verfolgung und Standhaftigkeit der ersten Christen, als Tag der Inkarnation würdigt er die theologisch tiefste Bedeutung der Weihnachtszeit, und als Gebetstag für verfolgte Christen verbindet er historisches Gedenken mit gegenwärtiger Solidarität.

In der modernen deutschen Gesellschaft ist der Zweite Weihnachtstag ein wertvollter Feiertag, der Zeit für Familie, Erholung und Besinnung schafft. Die Vielfalt der Traditionen – von Kirchgängen über Familienbesuche bis zu Spaziergängen und regionalen Bräuchen – zeigt, wie lebendig dieser Festtag in verschiedenen Schichten und Regionen der Gesellschaft verankert ist. Mit seiner Kombination aus religiösem Tiefgang und persönlicher Erholung behauptet der Zweite Weihnachtstag seinen Platz als einer der bedeutendsten Feiertage im deutschen Kirchenjahr und im kulturellen Kalender.