Adventszeit – Definition und umfassende Erklärung der Vorweihnachtszeit
Was ist die Adventszeit? – Definition
Die Adventszeit ist die kirchlich festgelegte Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, die sich über vier Adventssonntage erstreckt und je nach Kalenderjahr zwischen 22 und 28 Tagen dauert. Das Wort Advent stammt vom lateinischen Begriff adventus, was wörtlich „Ankunft“ bedeutet. In der christlichen Tradition bezeichnet die Adventszeit somit die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi und lenkt den Blick sowohl auf die Geburt Jesu zu Weihnachten als auch auf seine erwartete Wiederkehr am Ende der Tage.
Die zeitliche Abgrenzung der Adventszeit
Die Adventszeit beginnt immer am vierten Sonntag vor dem 25. Dezember und endet am Heiligen Abend. Dies ist die offizielle Regelung, die seit dem 7. Jahrhundert in der christlichen Kirche gilt. Der frühestmögliche Beginn ist der 27. November, während der späteste Anfang auf den 3. Dezember fällt. Diese bewegliche Regelung erklärt auch, warum die Adventszeit unterschiedlich lang ist – sie kann zwischen 22 und 28 Tagen dauern. Der vierte Adventssonntag selbst fällt zwischen dem 18. Dezember und dem 24. Dezember.
Besonders hervorzuheben ist, dass der Adventskalender, welcher am 1. Dezember beginnt, zeitlich nicht mit der Adventszeit übereinstimmen muss. Viele Menschen starten ihren Adventskalender bereits ab dem 1. Dezember, auch wenn der liturgische Advent möglicherweise erst später beginnt.
Die vier Adventssonntage und ihre Bedeutung
Die Adventszeit ist in vier Adventssonntage unterteilt, von denen jeder eine spezifische theologische Bedeutung hat. Diese Aufteilung geht auf die antike Deutung zurück, wonach die vier Sonntage symbolisch für die viertausend Jahre stehen, die die Menschheit nach dem Sündenfall auf den Erlöser warten musste.
Die vier Adventssonntage sind:
1. Advent – Der kommende Herr: Dieser Sonntag lenkt den Blick auf die Erwartung Jesu und den Tag des Jüngsten Gerichts.
2. Advent – Die Wiederkunft Christi: Dieser Sonntag thematisiert die Hoffnung auf die Rückkehr Jesu Christi am Ende der Zeit.
3. Advent – Johannes der Täufer: Der Täufer wird als Vorläufer Jesu gedacht und steht symbolisch für die Vorbereitung auf die Ankunft Christi.
4. Advent – Maria, die Mutter Jesu: Der letzte Adventssonntag vor Weihnachten ehrt Maria und ihre Rolle in der Weihnachtsgeschichte.
Der historische Ursprung der Adventszeit
Der Ursprung der Adventszeit liegt in der frühen christlichen Kirche. Bereits im 4. Jahrhundert nach Christus gab es eine Fastenzeit, die sich vom 11. November (Martinsfest) bis zum 6. Januar (Epiphanias) erstreckte. Diese Regelung wird dem Bischof Perpetuus von Tours zugeschrieben, der eine achtwöchige Fastenzeit forderte.
Die Adventszeit in ihrer heutigen, vierwöchigen Form entstand jedoch erst im 7. Jahrhundert. Papst Gregor der Große legte schließlich fest, dass die Adventszeit genau vier Sonntage umfassen sollte – eine Regelung, die sich bis heute in der westlichen Kirche bewährt hat.
Ein bedeutender historischer Meilenstein war die Synode im Kloster Limburg am 3. Dezember 1038, auf die Betreiben des römisch-deutschen Kaisers Konrad II. hin. Auf dieser Versammlung wurde definitiv festgelegt, dass der erste Adventssonntag stets zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen muss. Diese rund tausend Jahre alte Regelung gilt bis heute für die katholische und evangelische Kirche.
Das Konzil von Trient machte 1570 diese Regelung für die römisch-katholische Kirche rechtsverbindlich. Allerdings gibt es Ausnahmen: Das Erzbistum Mailand mit seinen ambrosianischen Riten und die orthodoxen Kirchen begehen den Advent bis heute sechswöchig.
Die doppelte Bedeutung der Adventszeit
Die Adventszeit hat eine charakteristische doppelte Bedeutung in der christlichen Tradition. Zum einen ist sie eine Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und die Erinnerung an die erste Ankunft Jesu Christi als Mensch auf dieser Erde. Zum anderen weist die Adventszeit jedoch auch in die Zukunft – sie lenkt den Blick auf die erwartete Wiederkehr Jesu Christi am Ende der Tage zum Jüngsten Gericht.
Diese doppelte Ausrichtung – zurück in die Vergangenheit und voraus in die Zukunft – macht die Adventszeit zu einer Zeit der inneren Sammlung, der Besinnung und der hoffnungsvollen Erwartung. Sie sollen Gläubige dazu anspornen, sich sowohl des bereits Geschehenen bewusst zu sein als auch auf die zukünftige Hoffnung auszurichten.
Adventszeit als Fastenzeit und Bußzeit
Ursprünglich war die Adventszeit eine strenge Fastenzeit, vergleichbar mit der Vorfastenzeit vor Ostern. Die Gläubigen sollten durch Buße, Fasten, Gebete und gute Werke ihre innere Haltung auf die Ankunft Christi vorbereiten. Der Verzicht auf Fleisch, Alkohol und üppige Speisen war in vielen Regionen üblich.
Seit der Reformation und besonders seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich der Charakter der Adventszeit jedoch deutlich verändert. Das Adventsfasten ist in den katholischen Kirchen nicht mehr verpflichtend, und es wurde zunehmend durch andere Bräuche und Traditionen ersetzt. Heute wird die Adventszeit vielerorts weniger als Zeit der Enthaltsamkeit, sondern vielmehr als Zeit der Vorfreude und Besinnlichkeit wahrgenommen.
Moderne Adventsbrauchtümer und Traditionen
Die moderne Adventszeit ist geprägt von zahlreichen Bräuchen und Traditionen, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben.
Der Adventskranz
Der Adventskranz ist ein fester Bestandteil der modernen Adventszeit. Seinen Ursprung hatte er im Jahre 1839, als der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern einen Kranz mit 24 Kerzen (vier große für die Adventssonntage und 20 kleine für die Wochentage) in einem Hamburger Waisenhaus aufstellte. Die Kinder fragten ihn täglich, wann denn endlich Weihnachten sei, und dieser Kranz sollte ihnen das Warten erleichtern.
Der moderne Adventskranz ist schlichter geworden und besteht meist aus Tannenzweigen – ein Symbol für das ewige Leben – mit vier Kerzen, von denen an jedem Adventssonntag eine weitere entzündet wird. Der Adventskranz ist zum Symbol der Adventszeit geworden und findet sich in vielen Haushalten und Kirchen.
Der Adventskalender
Der Adventskalender ist eine relativ moderne Erfindung, die seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist. Der erste dokumentierte Adventskalender bestand lediglich aus Kerzen. Der erste mit Schokolade gefüllte Adventskalender kam 1958 auf den Markt. Heute sind Adventskalender weit verbreitet und enthalten oft Süßigkeiten, Spielzeug oder kleine Geschenke für jeden Tag der Adventszeit.
Weihnachtsmärkte und Adventsbäsare
Eine Veränderung des Adventsbrauchtums seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Verbreitung von Weihnachtsmärkten und Adventsbäsaren in den Stadtzentren. Diese Märkte, von denen einige bis ins Mittelalter zurückreichende Traditionen aufweisen, prägen heute das Bild der Adventszeit. Menschen besuchen diese Märkte, um sich auf Weihnachten einzustimmen, lokale Handwerkerzeugnisse zu erwerben und traditionelle Speisen wie Glühwein oder Lebkuchen zu genießen.
Historische Adventsbrauchtümer
Einige ältere Adventsbrauchtümer sind heute weniger verbreitet, werden aber noch in einigen Regionen gepflegt:
Rorate-Messen: Diese besonderen Messen finden in der Dunkelheit der frühen Morgenstunden statt, nur bei Kerzenschein. Sie werden zu Ehren der Gottesmutter Maria gefeiert und symbolisieren die Erwartung des kommenden Lichts.
Das Klöpfeln: Dieser in Süddeutschland und Österreich verbreitete Brauch basiert auf der Weihnachtsgeschichte. Kinder und Jugendliche zogen verkleidet von Haus zu Haus, klopften an die Türen und sangen Lieder, um Spenden für Bedürftige zu sammeln.
Das Frauentragen oder Herbergssuche: In Bayern und Österreich wurde eine Marienfigur von Haus zu Haus getragen. Die Gastgeber gestalteten eine kleine Andacht und beteten zusammen – ein Zeichen der Gemeinschaft und Vorfreude auf Weihnachten.
Die geistliche Bedeutung der Adventszeit heute
In der heutigen Zeit bedeutet die Adventszeit für Christinnen und Christen vor allem eine Phase der inneren Vorbereitung, der Besinnung und der Hoffnung. Sie soll zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Weihnachtsgeheimnis führen – also der Überzeugung, dass Gott durch Jesus Christus Mensch wurde. Gleichzeitig soll die Adventszeit aber auch zu einer Zeit der Hoffnung auf Gerechtigkeit, des Friedens und der Überwindung von Leid werden.
Die Adventszeit ermutigt dazu, inne zu halten und sich der tieferen Bedeutung von Weihnachten bewusst zu werden – nicht nur als Fest der Geschenke und der Besinnlichkeit, sondern als Fest der Inkarnation Gottes und der christlichen Hoffnung auf Erlösung.
Adventszeit als Zeit der Vorbereitung und Hoffnung
Die Adventszeit ist eine reich gefüllte kirchliche Jahreszeit mit einer langen Geschichte, vielfältigen Traditionen und einer zeitlosen spirituellen Bedeutung. Sie beginnt vier Sonntage vor Weihnachten und dauert 22 bis 28 Tage, je nachdem, auf welchen Wochentag Weihnachten fällt. Mit ihren vier Adventssonntagen, dem Adventskranz, dem Adventskalender und modernen Bräuchen wie Weihnachtsmärkten prägt die Adventszeit das kulturelle und religiöse Leben in vielen Gegenden tiefgreifend.
Ihre ursprüngliche Bedeutung als Zeit des Fastens und der Buße hat sich gewandelt – heute steht die Adventszeit mehr für Vorfreude, Hoffnung und innere Besinnung. Unabhängig von religiöser Überzeugung bietet die Adventszeit vielen Menschen eine willkommene Gelegenheit, in der hektischen Vorweihnachtszeit innezuhalten, sich zu besinnen und sich auf das bevorstehende Fest der Nächstenliebe und Gemeinschaft vorzubereiten.



